Stolz und Wut auf einen Helden

Die Tochter eines Hitler-Attentäters zu sein – für Frauke Hansen ein schwer ertragbares Erbe

  • Von Till Mayer
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.

Der Vater ein Widerstandskämpfer des 20. Juli – für Frauke Hansen ein schweres Erbe. Das Attentat im Jahr 1944 veränderte ihr Leben. Seit ihrer Kindheit wartet sie auf die Anerkennung der Rolle ihres Vaters: Georg Alexander Hansen. Und darauf, dadurch selbst Trost zu finden.

Frauke Hansen mit einem Foto ihres Vaters

Die Ankunft auf dem Bahnhof im oberfränkischen Michelau ist ein Schock für die kleine Gruppe. »Schaut, da kommen die Verräter, aufhängen sollte man sie alle«, krakeelt ein junger Mann. Andere pfeifen, die Gesichter voller Wut und Hass. Die »Vaterlandsverräter« sind fünf Kinder. Zwölf Jahre zählt der Älteste, zwei Monate das Jüngste. Sie sind unerwünscht in der kleinen Korbmachergemeinde, die in jenen Septembertagen 1944 als stramme Nazi-Hochburg gilt.

Der Vater der fünf Geschwister war wenige Tage zuvor qualvoll am Galgen gestorben – an einem dünnen Drahtseil in die Höhe gezogen worden. Der Draht schnitt sich in den Hals. Der Todeskampf des Georg Alexander Hansen in Berlin-Plötzensee muss fast eine halbe Stunde gedauert haben.

»Wir blieben Vaterlandsverräter«

Der Oberst starb am 8. September 1944, weil er zu jenen gehörte, die Adolf Hitler hatten töten wollen, um einen längst verlorenen, grausamen Krieg zu beenden. Oberst Hansen...


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