Werbung

Taktlos

Martin Kröger ist froh, dass die Loveparade ausfällt

Was für eine irrsinnige Idee. Ein schnell zusammengeschriebener Aufruf im Internet beim sozialen Netzwerk Facebook, darauf das Label »Love Parade 2011« gestanzt, noch kurz Zeit und Ort angegeben – und los geht's. Als wenn es nicht die Geschichten der aus dem Ruder gelaufenen Geburtstagspartys gäbe, die zu gewalttätigen Massenauflaufen gerieten.

Verantwortungsgefühl scheint den unbekannt gebliebenen Organisatoren der diesjährigen Loveparade gänzlich fremd zu sein. Weder meldeten sie den ursprünglich für Sonnabend geplanten Umzug am Brandenburger Tor beim Bezirksamt an noch trafen sie sonstige Sicherheitsvorkehrungen. Frei nach dem Motto: Nach uns die Sintflut – und das ein Jahr nach der Katastrophe von Duisburg.

Erst als über 16 700 Gäste ihre Teilnahme zusagten, bekamen die Unbekannten kalte Füße. Der als »Flashmob«, also spontane Zusammenkunft im öffentlichen Raum, geplante Rave ist jetzt abgesagt. Ob es an der Intervention von Techno-Ikone Dr. Motte lag, der die Loveparade 1989 mitbegründete und fast schon verzweifelt an den gesunden Menschenverstand appellierte, mag dahin gestellt sein. Mit seiner Kritik traf Motte jedenfalls diesmal ins Schwarze: Ein Jahr nach Duisburg ohne Absprache mit den Angehörigen der Opfer und auf Teufel komm raus eine Loveparade durchzuziehen, ist einfach nur taktlos.

Und geschmacklos: Schließlich werden die Initiatoren bei Facebook auch kommerzielle Interessen gehabt haben. Genau diese Gier hatte aber schon in den Jahren zuvor die Loveparade immer mehr verkommen lassen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln