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Jahrhundertealte Gräber in Mitte

Bei Arbeiten an der Leipziger Straße wurden Skelette freigelegt, die jetzt untersucht werden

(dpa). Bei Bauarbeiten am Spittelmarkt sind zahlreiche jahrhundertealte Gräber entdeckt worden. Sie gehören zum Friedhof des früheren Gertraudenspitals, in dem arme und kranke Bürger untergebracht waren. Die Archäologin Karin Wagner vom Landesdenkmalamt berichtete am Mittwoch, bisher seien etwa 40 Särge geborgen worden. Sie stammen vermutlich von Anfang des 18. Jahrhunderts.

»Hier wurden keineswegs nur alte Menschen bestattet, sondern auch viele Jugendliche und junge Erwachsene. Die Skelette lassen darauf schließen, dass sie minderwertig ernährt und medizinisch schlecht versorgt wurden«, so die Expertin. »Die einfachen Holzsärge wurden dicht an dicht geschichtet, in drei bis vier Lagen übereinander.« Schon 1876 waren auf dem Gelände in zwei bis drei Metern Tiefe Grabreste entdeckt worden. Die neu gefundenen Skelette sollen zunächst weiter archäologisch untersucht und dann an anderer Stelle wieder bestattet werden. Die Wissenschaftler erhoffen sich Aufschluss über frühere Lebensgewohnheiten, Krankheiten und mögliche Epidemien.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung setzt darauf, trotz der Bergungsarbeiten den Bau der Verbindungsstrecke zwischen Axel-Springer-Straße und Leipziger Straße wie geplant bis Mai 2012 abzuschließen.

Der Friedhof für das Gertraudenspital war 1411 angelegt und 1739 geschlossen worden. Er lag vor den Toren der mittelalterlichen Stadt. Das Haus selbst war einst als Stift für adelige Jungfrauen errichtet worden, ehe es als Hospital für Arme genutzt wurde.

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