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Kompetenz »Gewerkschaftsvermeidung«

Bundesregierung und Telekom müssten den Anti-Gewerkschaftskurs bei T-Mobile USA stoppen, doch kümmern sich nicht

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.
Hierzulande lässt sich die Deutsche Telekom als frauenfreundlicher und sozial verantwortungsbewusster Konzern feiern. Bei der US-amerikanischen Konzerntochter T-Mobile (TM) beklagen Gewerkschafter dagegen besonders rüde und gewerkschaftsfeindliche Methoden.

Hae-Lin Choi schlägt Krach. Die Gewerschaftssekretärin spricht von einem »Klima der Angst« in der Belegschaft von T-Mobile. »Die Beschäftigten haben das Gefühl, dass sie im Betrieb nicht über die Gewerkschaft sprechen oder sich gar dazu bekennen können.« Um eine Gewerkschaftswahl im Bundesstaat Connecticut zu unterlaufen, werde den TM-Technikern beispielsweise mit dem Verlust von Job und Dienstfahrzeugen gedroht. »Ständig werden neue Manager eingeflogen, die Lügen über die Gewerkschaft und Drohungen verbreiten und Einzelgespräche mit den Beschäftigten führen«, berichtet Choi, die für die amerikanische Gewerkschaft der Telekommunikations- und Medienangestellten CWA arbeitet.

In den Callcentern ist der Druck noch größer. Dort rissen Manager den Beschäftigten Flugblätter aus der Hand, die sie vor dem Betrieb von Gewerkschaftern erhalten hätten. Der Belegschaft sei es faktisch untersagt, sich in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter zu den Arbeitsbedingungen zu äußern.

TM habe in Stellenanzeigen Mitarbeiter für das Personalwesen mit »Kompetenz und Erfahrung im Bereich der Gewerkschaftsvermeidung« gesucht und mit dem New Yorker Arbeitsrechtler Peter Conrad einen einschlägig bekannten Profi engagiert. Der Fachanwalt brüstet sich mit jahrzehntelangem Einsatz für »gewerkschaftsfreie Betriebe« und nennt ganz oben auf seiner Referenzliste TM und den Logistikkonzern United Parcel Service (UPS).

Mit derartigen Arbeitsrechtsverletzungen wollen sich Beschäftigte und CWA nicht mehr abfinden. In zahlreichen Ländern protestierten sie jüngst vor bundesdeutschen Botschaften, so etwa in Brasilien, Griechenland, Japan, Mexiko, Großbritannien und den USA. In New York nahm der deutsche Konsul ein Protestschreiben entgegen. CWA und ihre deutsche Partnerorganisation ver.di legten zudem Beschwerde bei der OECD-Kontaktstelle in Deutschland ein, weil sie im Verhalten des Managements ein Verstoß gegen OECD-Grundsätze sehen.

Die Proteste sollen vor allem Druck auf die Bundesregierung aufbauen, den Anti-Gewerkschafts-Kurs des TM-Managements zu stoppen. Schließlich hält sie zusammen mit der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) noch über 30 Prozent der Telekom-Aktien und verfügt damit über eine Sperrminorität. Im 20-köpfigen Aufsichtsrat des Konzerns sitzen Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen (SPD) und KfW-Vorstand Ulrich Schröder. Rein rechnerisch könnten sich beide auf die Seite der zehn Aufsichtsräte der Arbeitnehmerseite schlagen und einen Kurswechsel in der Unternehmenspolitik der US-Tochter einfordern.

Doch der ist nicht in Sicht. Zwar schöpfen CWA-Aktivisten Hoffnung aus der geplanten Übernahme von TM durch den traditionsreichen US-Telekommunikationsriesen AT&T. Denn dieser gilt als CWA-Bastion und will dem Vernehmen nach auch den bisherigen TM-Beschäftigten Gewerkschaftsrechte einräumen. »Doch die Übernahme kann bis zu einem Jahr dauern und gerade in der Übergangszeit sind die Beschäftigten besonders schutzbedürftig«, gibt Gewerkschafterin Hae-Lin Choi zu bedenken: »Daher drängen wir T-Mobile zu einem Verhaltenswandel, damit die Beschäftigten mit einer Gewerkschaft ihre Interessen besser vertreten können.«

T-Mobile USA und Gewerkschaft

Die Communications Workers of America (CWA) ist nach eigenen Angaben die weltweit größte Gewerkschaft der Telekommunikationsbranche und organisiert 700 000 Frauen und Männer in den Vereinigten Staaten, Kanada und Puerto Rico. Allein beim Mobilfunkkonzern AT&T Mobility gehören 42 000 Beschäftigte der CWA an. Dies entspricht einem Organisationsgrad von 94 Prozent. Hier sind Lohn, Arbeitszeit, Rente, Kündigungsschutz und andere Bedingungen tarifvertraglich geregelt und das Management akzeptiert die Arbeit der gewerkschaftlichen Vertrauensleute.

Die 38 000 Beschäftigten der T-Mobile USA (TM), einer hundertprozentigen Tochter der Deutschen Telekom, haben hingegen nichts dergleichen. Sie sind dem Management schutzlos ausgeliefert und können jederzeit ohne Angabe von Gründen gefeuert werden.

Der Mobilfunkonzern AT&T-Mobility will T-Mobile von der Deutschen Telekom erwerben. Die Rede ist von einem Kaufpreis in Höhe von 25 Milliarden Dollar plus Aktienpaketen im Umfang von 14 Milliarden Dollar.

Seit dem Börsengang Ende der 1990er Jahre ist die privatisierte Deutsche Telekom zum Weltkonzern geworden. TM entstand aus einer Übernahme und erwirtschaftet etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes der Telekom AG. hgö

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