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Männerkopf in Frauenhaar

In Lübeck wird derzeit eine ganz spezielle Ausstellung mit Werken von Edvard Munch präsentiert

  • Von Lutz Gallinat, Lübeck
  • Lesedauer: 3 Min.
Mindestens siebzehn Mal kam der norwegische Maler und Grafiker Edvard Munch in die Hansestadt Lübeck. Jetzt widmet sich dort eine Ausstellung speziell dem grafischen Werk des Künstlers.

Der norwegische Maler und Grafiker Edvard Munch wurde 1863 in Hiten (Hedmark) geboren, 1944 verstarb er in Ekely bei Oslo. Er lernte nach ersten autodidaktischen Anfängen 1882/83 bei den Malern Fritz Thaulow, Per Krohg und Hans Olaf Heyerdahl in Oslo und empfing entscheidende Anregungen während seines mehrmaligen Aufenthalts in Paris.

Krohgs kritisch-realistische Haltung und der französische Impressionismus prägten zunächst seine Frühwerke. 1889/90 fing Munch an, zu einer oft angsterfüllten Weltsicht zu neigen, teilweise bestimmt vom Geschlechterkonflikt. Damals wechselte er zu einer expressiven symbolistischen Gestaltung. Dabei sind Einflüsse des französischen Nachimpressionismus und Symbolismus und des frühen Jugendstils besonders in der suggestiven Verwendung der Linie als dem bestimmenden Bildelement spürbar.

Seit 1893 arbeitete Munch an seinem reichen grafischen Opus – Radierungen, Lithografien und farbige Holzschnitte, in dem er häufig Motive aus seinen Gemälden wieder aufnahm und variierte. Besonders intensiv gestaltete er psychische Zustände und Erregungen, wobei er sich an der sinnlichen und lebenszyklischen Gebundenheit des Menschen zwischen Geburt und Tod orientierte – im Sinne zeitgenössischer bürgerlich-oppositioneller und kritischer Ideen.

Das Lübecker Museum Behnhaus Drägerhaus zeigt nun erstmals eine Ausstellung, die sich allein auf Holzschnitte Edvard Munchs konzentriert. Damit greift man zum einen die enge Verbindung Munchs zu Lübeck auf. In der Hansestadt schuf der Künstler zwischen 1902 und 1907 zahlreiche Werke und war vor allem für den Lübecker Sammler und Augenarzt Dr. Max Linde tätig. Die Hauptwerke dieser Schaffensphase gelangten unter dem Direktor Carl Georg Heise in den 1920er Jahren in die Sammlung des Behnhauses. Das berühmteste Werk aus diesem Bestand ist das Gemälde »Die Söhne des Dr. Linde« von 1903.

Zum anderen baut die Stadt mit der Schau die auch in der Kunst traditionellen Beziehungen Lübecks nach Skandinavien aus, indem man eine norwegische Privatsammlung mit 46 bedeutenden Holzschnitten Edvard Munchs erstmals in einer Ausstellung in Deutschland präsentiert. Die Sammlung umfasst Beispiele aus Munchs kompletter druckgrafischer Schaffenszeit. Sie zeigt mit Holzschnitten wie »Männerkopf in Frauenhaar« oder »Abend. Melancholie I« von 1896 über »Der Kuss« von 1902 bis hin zu »Mädchen auf der Brücke« aus dem Jahr 1920 herausragende Motive aus Munchs Gesamtwerk. Neben handkolorierten Holzschnitten bilden Druckversionen, die nur als Unikat existieren, die Höhepunkte dieser Sammlung. Dadurch ist es mit dieser Ausstellung auch erstmals möglich, der im Jahr 2003 gezeigten Themenausstellung »Munch und Lübeck« nun den »ganzen« Munch in seiner vielseitigen Beschäftigung mit den existenziellen Fragen des Lebens an die Seite zu stellen.

Edvard Munch, Holzschnitte; Museum Behnhaus Drägerhaus Lübeck, Di bis So 10-17 Uhr, zu sehen bis zum 4. 9. 2011

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