Werbung

Zick-Zack-Kurs am Nürburgring

Die Mainzer Grünen hatten Landesgelder für die Formel 1 ausgeschlossen. Jetzt klingt es anders

  • Von Robert Luchs, Mainz
  • Lesedauer: 3 Min.
Trotz anstehender Verhandlungen mit Formel-1-Chef Ecclestone hat das Rennsportspektakel am Nürburgring keine Zukunft von Dauer, sagt die rheinland-pfälzische Vize-Regierungschefin Lemke (Grüne) etwas schwammig. Wie es weitergeht mit den Rennen, für die das Land Subventionen in Millionenhöhe zahlt, ist unklar.

Hatte Rot-Grün in Mainz vor kurzen noch eine Vollbremsung am Nürburgring hingelegt, so steht die Koalition jetzt wieder an der Pole Position. Gelder der Landesregierung für einen weiteren Formel-1-Zirkus in dieser Legislaturperiode hatten die Grünen, die in Rheinland-Pfalz zum Sparen angetreten sind, kategorisch ausgeschlossen. Bis 2016 gebe es genau noch ein Formel-1-Rennen mit finanzieller Unterstützung des Landes – und das sei 2011, erklärte Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne).

Nun klingt es anders: Lemke beruft sich auf die Koalitionsvereinbarung mit der SPD, in der lediglich von einem Zurückfahren der Ausgaben die Rede Ist. Auf Dauer würden die Rennen in der Eifel aber keine Zukunft haben.

Absage vom Bund

Rheinland-Pfalz subventionierte das Rennen vom vergangenen Wochenende mit 13 Millionen Euro. Nach Informationen des »Handelsblatts« werde das Defizit mit rund 17 Millionen Euro allerdings höher ausfallen als erwartet. Ein Sprecher des Infrastrukturministeriums in Mainz wollte diese Angaben nicht bestätigen.

Innenminister Roger Lewentz (SPD) hatte sich für die Zukunft auf keine konkrete Subventionssumme festgelegt, aus dem Ministerium hieß es lediglich, der Zuschuss werde deutlich niedriger ausfallen. In der Koalitionsvereinbarung sei vereinbart, »dass wir mit einer Summe X in die Verhandlungen gehen, um die Formel 1 am Nürburgring zu halten«.

Zugleich verwies Lewentz auf ein »positives Gespräch« mit Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone. Eine Formel 1 ohne ein deutsches Rennen könne er sich zwar vorstellen, sagte der Chef der »Königsklasse« in einem Zeitungsinterview, doch sei dies »das Letzte, was wir wollen«. Die Zukunft der Formel 1 auf dem Nürburgring, die der strukturschwachen Region einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro bringt, hängt von weiteren Verhandlungen mit Ecclestone über dessen Forderungen ab.

Dem Ruf nach einer Finanzspritze für den legendären Eifelkurs hat die Bundesregierung unterdessen eine Absage erteilt. Nicht einzelne Sportveranstaltungen würden gefördert, sondern Verbände, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums. Der Bund übernehme nicht das finanzielle Risiko des Ausrichters. Ring-Pächter Kai Richter hatte gesagt, es wäre wünschenswert, wenn der Bund die Präsentation eines solchen internationalen Sportevents vor Millionenpublikum als Chance begreifen würde – wie etwa bei der Fußballweltmeisterschaft oder einer Olympiabewerbung. Ohne weitere Unterstützung drohe der Formel 1 das Aus. Das wäre eine Tragödie für die Eifel- Region, betonte der Ring-Manager.

Steuern zu Privatvermögen

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Daniel Köbler, meinte, es könne nicht sein, dass »wir mit rheinland-pfälzischen Steuern das Privatvermögen von Bernie Ecclestone füttern«. Ein Großteil der Forderungen der Formel 1 »dient nicht dazu, das Rennen zu ermöglichen, sondern den Gewinn zu maximieren«. Die Landes-CDU kritisierte unterdessen das Nutzungskonzept des Ring-Areals. Generalsekretär Josef Rosenbauer sieht »nach einer kompletten Fehlplanung« den Nürburgring auf ein desaströses Ende zusteuern. Die Opposition forderte die Landesregierung auf, Details der Gespräche mit dem Formel-1-Chefvermarkter Ecclestone öffentlich zu machen. Die Formel 1 müsse mit möglichst wenig oder gar keinen Steuergeldern am Nürburgring gehalten werden.

Wegen der umstrittenen Finanzierung des Freizeitzentrums »Nürburgring 2009« hatte der rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) 2009 sein Amt niedergelegt. Die CDU im Mainzer Landtag hatte schon vor langer Zeit von einem »undurchsichtigen und unkalkulierbaren Finanzierungsmodell« gesprochen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln