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Albtraum statt Imagegewinn

Das Pokalspiel zwischen dem BFC Dynamo und Kaiserslautern wird von Ausschreitungen überschattet

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Martin Richter hat Recht. Leider. Nach den Ausschreitungen im Pokalspiel zwischen dem BFC Dynamo und dem 1. FC Kaiserslautern am Sonnabend im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark steht nicht der 3:0 (2:0)-Sieg des Bundesligisten aus der Pfalz gegen den fünftklassigen Berliner Vertreter im Vordergrund. Auch nicht, dass der DDR-Rekordmeister 10 104 Zuschauer in den Prenzlauer Berg locken konnte – der größte Besuch nach der Wende. »Die Idioten machen wieder die Schlagzeilen«, bedauert der BFC-Pressesprecher.

Natürlich wurde die Partie vom Deutschen Fußball-Bund als Risikospiel eingestuft. Die dafür auf der Sicherheitskonferenz festgelegten Auflagen wurden im Vorfeld umgesetzt, bestätigten Polizei, DFB und der Verein gleichermaßen. Dazu gehörte auch ein sogenannter Pufferblock zwischen den Fans beider Vereine. Dennoch schafften es nach dem Abpfiff etwa 300 Gewaltsuchende in den Gästeblock, griffen die FCK-Fans an und lieferten sich auch mit der Polizei Auseinandersetzungen. Die Bilanz: 18 verletzte Beamte, 27 Festnahmen, 50 eingeleitete Strafermittlungsverfahren – die Anzahl der verletzten Gästefans ist noch unklar.

Wie konnte es trotz großer Sicherheitsvorkehrungen mit etwa 400 Einsatzkräften der Polizei dazu kommen? »Die konnten einfach durchlaufen«, wunderte sich ein Fotograf beim Anblick seiner Bilder auf dem Laptop im Medienraum. Für die Polizei stand nach einer ersten Auswertung fest: »Maßnahmen des Ordnerdienstes haben zu den Problemen geführt und den Verlauf begünstigt.« Dies soll vom Verantwortlichen des Sicherheitsdienstes auch eingeräumt worden sein, hieß es in einer Pressemitteilung vom Sonntag.

Sollte sich das bestätigen, muss der BFC mit einer satten Strafe rechnen. »Irgendwas wird kommen, das ist klar«, war sich ein DFB-Sicherheitsbeobachter schon während der Ausschreitungen sicher, machte in seiner ersten Einschätzung aber nur Einzelne verantwortlich. Die Ordner hätten laut Polizeibericht erst das Tor geöffnet, durch das die Randalierer in den Gästebereich gelangten und es dann aber wieder verschlossen. So konnten die Polizisten nicht gleich eingreifen. Da der Ordnungsdienst vom Verein gestellt wird, scheint die Schuldfrage klar.

Auch wenn es paradox klingt, vielleicht trifft die erwartet harte Strafe dennoch die Falschen. Diejenigen, die versuchen, mit harter Arbeit das Image des Vereins zu verbessern, sich ausdrücklich gegen Gewalt und Rassismus stellen. »Ich wurde beschimpft, als ich beschwichtigen wollte. Das sind keine BFC-Fans, die wollen nur Ärger machen«, erzählte Kapitän Amadeus Wallschläger. Auch Pressesprecher Richter wehrt sich tapfer: »Gegen ermittelte Personen wird der Verein Strafanzeige stellen.« Zudem vermutete er, »dass sich diese Idioten nicht den Oberliga-Alltag antun«. Das bestätigten auch erste Einschätzungen aus der Fanszene.

Meinen sie es ganz ernst mit dem Imagewandel, sollte auch das Konzept und die Besetzung des vereinseigenen Ordnungsdienstes überdacht werden. Eine große Chance auf Imagegewinn ist seit Sonnabend dahin. Sportlich hatte der BFC gegen Lautern nie eine und verlor nach Toren von Ivo Ilicevic (18.), Christian Tiffert (23.) und Thanos Petsos (50.) zurecht.

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