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Proteste in USA gegen BMW

Teamster-Gewerkschaft macht wegen Niedriglohnplänen mobil

  • Von Max Böhnel, New York
  • Lesedauer: 3 Min.

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BMW hat in dieser Woche Rekordgewinne und zusätzliche Jobs vermeldet. In den USA setzt der deutsche Autokonzern derweil auf Niedriglöhne und die Entmachtung der Gewerkschaften.

BMW erhält in den USA gewerkschaftlichen Gegenwind. Dafür sorgt die Transportarbeitergewerkschaft Teamsters, seit die Bavarian Motor Works, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des bayerischen Autokonzerns, rücksichtslos gegen Lohnabhängige vorgeht.

Anfang Juni erhielten die 7500 Gewerkschaftsmitglieder von BMW im südlichen Kalifornien die Mitteilung, dass es nach Auslaufen des Tarifvertrags am 31. August Entlassungen geben werde. Im Teileauslieferungslager im kalifornischen Ontario würden alle 68 Mitarbeiter entlassen, hieß es in dem Schreiben weiter. Bereits am Tag darauf, dem 1. September, werde das Werk mit einem Subunternehmer neu eröffnen, der es verwalten und neue Mitarbeiter einstellen werde.

Von dem Werk in Ontario aus werden rund 200 000 Autoteile gemäß dem »Just-in-Time«-Ver- fahren an BMW-Händler und andere Verteiler an der gesamten Westküste der USA ausgeliefert. Viele der Mitarbeiter sind seit vielen Jahren in der Niederlassung beschäftigt. Gute Löhne und eine anständige Betriebskranken- und Sozialversicherung sorgten bisher für eine entsprechende Kaufkraft der Angestellten.

Nun will BMW den auslaufenden Tarifvertrag zum Anlass nehmen, um die Arbeitsplätze mit Niedriglöhnern zu besetzen und damit auch die Gewerkschaftsvertretung vor die Tür zu setzen. Bei den 5400 BMW-Mitarbeitern in den USA hat sich die gewerkschaftsfeindliche Politik längst herumgesprochen. Seit Wochen gibt es Demonstrationen vor Konzernfilialen und Verkaufsstellen an der Westküste, aber auch in Seattle, Chicago, Washington und New York. »BMW zerstört den amerikanischen Traum«, heißt es auf Plakaten, die die Arbeiter hochhalten.

Die Teamsters-Gewerkschaft hatte das Unternehmen nach Bekanntgabe seiner Entlassungsentscheidung um drei Monate Aufschub gebeten, um eine einvernehmliche Verhandlungslösung zu finden, was aber auf taube Ohren stieß. Der Präsident der globalen Branchengewerkschaft International Transport Workers Federation, Paddy Crumlin, erklärte, er sei »schockiert, wie BMW seine amerikanischen Arbeiter behandelt – dies würde sich das Unternehmen gegenüber deutschen Mitarbeitern niemals erlauben«.

Die Praktiken des Münchner Konzerns sorgen auch für Kritik im US-Kongress. Die demokratische Senatorin Barbara Boxer aus Kalifornien erinnerte in einem Schreiben den BMW-Vorsitzenden in den USA, Jim O'Donnell, mit deutlichen Worten an die 3,6 Milliarden Dollar Niedrigzinsdarlehen aus der Staatskasse, die BMW während der Finanzkrise 2008/2009 erhalten hatte. Es sei »zutiefst enttäuschend«, so Boxer, »dass diese treuen Angestellten zu einer Zeit bestraft werden, da ihre Firma vor Kurzem einen Quartalüberschuss von 1,78 Milliarden Dollar zu Protokoll gab.« Die Profite waren drei Mal höher als im Vorjahreszeitraum.

Die USA sind nach Deutschland der zweitgrößte Markt des BMW-Konzerns. 2010 verkaufte der Autohersteller rund 267 000 Fahrzeuge, ein Anstieg um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2011 ging es mit ähnlichem Wachstum weiter.

Allen Appellen zum Trotz hält das Unternehmen offensichtlich an seiner rabiaten Politik fest. Im vergangenen Monat heuerte BMW North America die berüchtigte gewerkschaftsfeindliche Rechtsanwaltskanzlei Jackson Lewis an. Die Spitzenanwälte sollen der Arbeitervertretung auf juristischem Wege den Garaus machen.

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