Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Sind die Grünen genussfeindlich?

Till Seiler (Grüne) über Renate Künasts Plädoyer gegen Drogen

ND: In einem Interview mit »SUPER-lllu« sagt Renate Künast: »Mein Ziel ist es, dass die Menschen ein möglichst drogenfreies Leben führen, weil ein drogenfreies Leben gesund und schön ist.« Ich musste laut lachen beim Lesen.
Seiler: Das funktioniert nicht. Ich denke, dass Renate Künast bekannt ist, dass nicht alle Menschen ein drogenfreies Leben führen.

Es klingt auch, als wolle man die Bürger maßregeln oder ihnen ganz bestimmte Vorstellungen aus den 50er Jahren aufnötigen.
Ich verstehe das so, dass es schön ist, wenn Menschen ein drogenfreies Leben führen, und wir uns sehr wohl für eine liberale Drogenpolitik und eine vernünftige Drogenprävention einsetzen.

1968 klangen Aussagen zu Drogen moderner als das, was Künast in diesem Interview sagte.
Ich hätte mir gewünscht, dass die Programmatik der Grünen deutlicher wird: Wir wollen eine Verbesserung der Prävention und eine Entkriminalisierung weicher Drogen erreichen, einen vernünftigen Umgang mit Drogen. Gleichwohl ist auch zu begrüßen, wenn Leute sich entscheiden, auf Drogen generell zu verzichten.

Im selben Gespräch sagt sie auch, sie habe Verständnis, wenn jemand bei den Drogen Nikotin und Koffein schwach werde, Drogen, die die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigen. Das ist ja eigentlich auch nicht grüne Politik.
So ist es. Wir lehnen ab, dass Alltagsdrogen bagatellisiert werden und weiche Drogen wie Cannabis kriminalisiert werden. Die Kriminalisierung führt nur dazu, dass es erst recht spannend wird, diese Drogen zu konsumieren.

Als Künast auf moderne Drogenpolitik und Entkriminalisierung angesprochen wird, sagt sie: »Diese Zeiten sind längst vorbei.«
Das verstehe ich nicht, diese Aussage, denn das ist eine Position von uns, an der wir als Bundestagsfraktion auch festhalten.

Ist es im Allgemeinen so üblich, dass grüne Politiker in Interviews das Gegenteil von dem sagen, was im Parteiprogramm steht?
Was sie gesagt hat, hat sie als Spitzenkandidatin der Berliner Grünen gesagt. Die Bundestagsfraktion ist für die Entkriminalisierung weicher Drogen, unter Berücksichtigung des Jugendschutzes. Insofern sind für mich diese Aussagen zum Teil unverständlich. Wenn gesagt wird, die Zeiten der Legalisierung seien vorbei, verstehe ich nicht, was damit gemeint ist.

Künast sagt: »Was immer du pflanzt, pflanze in Hülle und Fülle.« Pflanzen, die als Drogen verwendet werden, sind offenbar davon ausgenommen?
Das sind ja private Äußerungen, die die »SUPER-Illu« da haben wollte, zu ihrer Gartenliebhaberei. Sie wird gefragt nach privaten Gartentipps. Ich glaube nicht, dass diese Aussagen geeignet sind für einen politischen Diskurs.

Muss man Angst davor haben, dass Genussfeindlichkeit und Gesundheitsfetischismus bald offizielle Politik der Grünen werden?
Nein. Wir sind für einen besseren Umgang mit Drogen. Mir ist wichtig, dass Jugendliche auf die Gefahren von Drogen hingewiesen werden, dass der Jugendschutz beachtet wird.

»Mein Ziel ist, dass die Menschen ein drogenfreies Leben führen«, sagt Künast.
Das widerspricht sich nicht unbedingt. Aber Sie haben schon Recht, das ist ein bisschen naiv.

Fragen: Thomas Blum

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln