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Zwischen Schutz und Nutzung

Weltkonferenz beriet über Perspektiven der Freizeitfischerei

Die Weltkonferenz zur Angelfischerei fand in diesem Jahr erstmals in Deutschland statt. Anfang August berieten 300 Forscher, Ökonomen und Behördenvertreter mit aktiven Anglern über die Perspektiven der Freizeitfischerei.

Weltweit 600 Millionen Menschen angeln in ihrer Freizeit, jeder zehnte EU-Bürger tut es. Jeder der drei Millionen Angler in Deutschland holt pro Jahr 13 Kilogramm Fisch aus Seen oder Flüssen, zuammen sichern sie 52 000 Arbeitsplätze. Auf der ersten Weltkonferenz 1996 in Dublin wurden noch die Angler gezählt und die für sie wichtigsten Fischarten bestimmt. Inzwischen mauserten sich die Veranstaltungen zum interdisziplinären Austausch über soziale, biologische und ökonomische Themen. Dabei spielt der Naturschutz eine besondere Rolle.

Viele Angelvereine haben den Naturschutz bereits in ihrem Namen verankert. Es sind nicht nur Fische zu fangen, sondern auch die Bestände zu hegen. Die Vereine pflegen Uferzonen, schützen den Schilfbewuchs, beseitigen Müll, beteiligen sich an der Renaturierung oder richten Schonbezirke und Vogelschutzinseln ein. Angler haben ein Interesse an möglichst naturnahen, unbelasteten Gewässern. Schonzeiten und der Hinweis auf bedrohte Arten gehören ebenfalls dazu. Konfliktfrei geht das nicht immer. So wurde die Äsche 2011 von Fischerei- und Anglerverbänden zum Fisch des Jahres gekürt, quasi als Reaktion auf die Erhebung des Kormorans zum Vogel des Jahres 2010 seitens des NABU und des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV). Viele Angler sehen im Kormoran den Hauptschuldigen an der Dezimierung der Äschen- und anderer Fischbestände. Gerhard Kemmler etwa vom Verband für Angeln und Naturschutz Thüringen e.V. verglich die offiziell gezählten Kormorane in seinem Bundesland mit der Zahl geangelter Äschen in der Saale bei Jena. So konnten 2001 dort 251 dieser Fische gefangen werden, gleichzeitig gab es 50 Kormorane. Ab 2006 schwankt deren Zahl zwischen 118 und 154, aber es biss keine einzige Äsche mehr an. Schon 2008 forderte das Europäische Parlament die EU-Kommission auf, Kormoran-Management-Pläne zu entwickeln. Bei der Berliner Konferenz bekannte sich Staatssekretär Robert Kloos aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium zu dieser Aufgabe. Bis jetzt jedoch blieb es bei Ankündigungen.

Der NABU hingegen hält eine Koexistenz von Kormoran und Äsche für möglich, sieht die Angler aber auch als egoistische Naturnutzer. Kritisch sehen Naturschützer zudem den Fischbesatz natürlicher Gewässer. Diesem Thema ist ein eigenes Projekt des Bundesforschungsministeriums gewidmet, angesiedelt am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Dabei geht es um Kosten, Nutzen und Nachhaltigkeit des Besatzes. Risiken wie zunehmende Konkurrenz zwischen den Arten, das Einschleppen von Krankheiten oder der Verlust genetischer Vielfalt werden untersucht. Wie im Kormoran-Konflikt spielen beim Besatz die Ländergrenzen keine Rolle, ein internationales Herangehen ist also nötig, berichtet Projektleiter Robert Arlinghaus.

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