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Biodynamischer Bienenkorb

Das Festival »Über-Lebenskunst« bespielt das gesamte Haus der Kulturen der Welt

Auch die »Vorratskammer« (r.) auf dem Dach des Hauses der Kulturen ist Teil einer künstlerisch-technischen Klima-Spielwiese
Auch die »Vorratskammer« (r.) auf dem Dach des Hauses der Kulturen ist Teil einer künstlerisch-technischen Klima-Spielwiese

Das Bild von der Spitze des Eisberges wollte Friederike Tappe-Hornbostel von der Kulturstiftung des Bundes dann doch nicht so stehen lassen. Nicht in diesem Zusammenhang. Schließlich dreht sich beim von ihr am Dienstag im Haus der Kulturen der Welt (HKW) vorgestellten Festival »Über-Lebenskunst« alles um Nachhaltigkeit und Klimaproblematik. Da sind die schmelzenden Kolosse zwar Teil des Problems, Tappe-Hornbostel wollte aber eigentlich die vielen unsichtbaren Lösungsansätze visualisieren. Von denen wird das HKW in den nächsten Tagen einige spektakulär über den Meeresspiegel heben, um im Bild zu bleiben.

Bernd Scherer, Intendant des HKW, wählte dagegen den Ausdruck »Bienenkorb«, um den Fleiß und den Aktionismus aller am ambitionierten und vielversprechenden Festival Beteiligten zu beschreiben. Schließlich soll nichts weniger unternommen werden, als die Notwendigkeit, das Leben nachhaltiger zu gestalten, in eine Spielwiese für die zeitgenössischen Künste zu übersetzen.

Herausgekommen aus jenem Gewimmel der kreativen Ökobastler ist ein 101-Stunden-Marathon aus Konferenzen, Performances, Installationen, Konzerten, Filmen Exkursionen, Gesprächen oder Lesungen. Übergeordnetes Ziel war es, Formeln zu finden, durch die sich Lebensgenuss und aktives, ökologisch korrektes Handeln verbinden lassen – etwa bei einer per Fahrrad mit Strom versorgten Disco auf dem Dach der »Schwangeren Auster«, einer mit regionalen Lebensmitteln ausgestatteten Vorratskammer oder Trinkquellen aus der Spree. Auch das Bild des Bienenkorbes findet spektakulär seine reale Entsprechung: Extra wurde ein verspieltes und verwinkeltes Haus ins Haus gebaut, das zahllosen Initiativen zur Präsentation dienen soll. Nach Ende des Festivals werden diese Räume mitnichten entsorgt, sondern sollen bei Folgeprojekten wiederverwendet werden. So, wie auch die über 30 000 Plastikbecher, die fleißige Künstler bei Laufveranstaltungen gesammelt haben, um daraus den Regenschutz für Stände auf dem Dach zu fertigen.

Als vorrangige Probleme unserer Gesellschaftsordnung beschrieb Intendant Scherer einerseits den Irrglauben, alles sei möglich und darum auch wünschenswert – und seien es Absurditäten wie Winterspiele in der Sahara. Andererseits thematisierte er die menschliche Neigung, auf technische Herausforderungen rein technische Antworten zu suchen: »Sollte man statt ›können wir das‹ nicht lieber fragen, ›wollen wir das‹?« Dieses Problem thematisiert während des Festivals auch der Performancekünstler Benjamin Verdonck in seinem Stück »1/2«. Die Botschaft: Würde man die Menschen auf die Hälfte ihrer Größe schrumpfen, würden sich viele Versorgungsprobleme halbieren. Technisch wird das irgendwann möglich sein – aber ist es erstrebenswert?

17.-21. August, Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, www.ueber-lebenskunst.org

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