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Ohne Sicherheitsabstand

Das Arsenal zeigt südafrikanisches Kino aus Gegenwart und Vergangenheit

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 4 Min.

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Szene aus »My Little Black Heart«
Szene aus »My Little Black Heart«

Es sind sehr persönliche Filme, kleine, »schmutzige« Autorenfilme, die der südafrikanische Kurator (und derzeitige Berliner Stipendiat des Goethe-Instituts) Darryl Els für die diesjährige Südafrika-Filmreihe im Kino Arsenal auswählte. Digital gedreht, nah an der Wirklichkeit auf Südafrikas Straßen, mit wenig Abstand zu ihren Figuren und viel vom Herzblut ihrer Filmemacher.

Claire Angelique ist mit gleich zwei Filmen vertreten. Die junge, weiße Filmemacherin aus der Hafenstadt Durban porträtiert diese Metropole in ihrem autobiografischen Debüt »My Black Little Heart« (Mein schwarzes kleines Herz) von 2008 als ekstatischen Himmel und gewalttätige Hölle ihrer drogensüchtigen Helden. »Palace of Bone«, ihren zweiten, noch ganz frischen Film inszenierte sie mit diversen digitalen Aufnahmetechniken plus vorgefundenem Filmmaterial aus den Sechzigern als fragmentierte, pixelstarrende, gelegentlich auch akustisch verzerrte Alltagserfahrung von Dealern und Junkies.

Die digitale Kamera bei »My Black Little Heart« führte Anthony Dod Mantle – wohl weil Lars von Trier den Film koproduzierte. Der britische Kameramann mit Wohnsitz Kopenhagen gehört zu den internationalen Stars der Szene und erhielt für seine Arbeit an Danny Boyles Überraschungshit »Slumdog Millionär« einen Oscar. Angelique spricht im Zusammenhang mit ihren Filmen aber lieber von ihrer besonderen, durchaus biografisch bedingten Zuneigung zu den schmutzigen, sozial abseitigen Randzonen ihrer Heimatstadt, vom ideologischen Straßenkampf zur Wahrung der künstlerischen Identität (Produzenten und Banker sind ihre liebsten Menschen nicht, soviel scheint sicher), und von einer Filmästhetik, die der Katerstimmung des Morgens nach dem Exzess gleicht. Filme und persönliche Attitüde passen hier perfekt zusammen. Angeliques Internet-Blog, ihre Tagebuchpublikation und die beiden Filme ergänzen sich zu einem selbstdarstellerischen Gesamtkunstwerk, das sie ihren Eltern offenbar zwischenzeitlich entfremdete, sie aber in Südafrika zum künstlerischen Geheimtipp werden ließ.

»Conversations on a Sunday Afternoon« (Unterhaltungen an einem Sonntagnachmittag) von Khalo Matabane, der im letzten Jahr mit seinem Spielfilmdebüt »State of Violence« Gast der Berlinale war, stellt die Stadt Johannesburg als Zufallsheimat von Migranten vor. Auch hier ist die dokumentierte Wirklichkeit vor der Kamera teils real, teils inszenierte Fiktion. Ein Lesender in einem Park (der seine hausgetischlerte Parkbank jeden Tag selber mitbringt) gerät mit einer Flüchtigen aus Somalia ins Gespräch, die im Park Briefe an die daheimgebliebene Familie schreibt. Er ist fasziniert von ihren Kriegs- und Fluchterlebnissen und macht sich auf die Suche nach der Frau, als sie am nächsten Tag nicht wieder auftaucht. Keiner der vielen Passanten im und um den Park hat sie gesehen, aber jeder von ihnen hat eine eigene Geschichte zu erzählen – von Gewalt und Vertreibung, Hunger und Beschneidung, von der Flucht aus der Heimat und dem Ankommen in Südafrika, von der Zukunft, der ersehnten Rückkehr – oder von neuen Wurzeln, einer neu gewonnenen nationalen Identität.

Im konventioneller angelegten »Shirley Adams« von Oliver Hermanus, den Kurator Els als einen der interessantesten jungen Filmemacher Südafrikas empfiehlt, trägt die Schussverletzung, die einen jungen Mann dauerhaft in der Township-Hütte seiner Mutter stranden lässt, sinnlose Gewalt als Folge verbreiteter Armut bis in die Kernfamilie hinein.

Als Rückblicke in die politische und ästhetische Vergangenheit des Landes hat Els noch zwei historische Filme im Programm: Der experimentelle »Shot Down« (1986) von Andrew Worsdale ist ein überdrehtes Mosaik über einen weißen Regierungsschergen, der einem mit Berufsverbot belegten schwarzen Autor und Aktivisten in Johannesburg auflauert, bevor er Läuterung erfährt und seinen Auftraggebern den Rücken kehrt.

Die Anti-Apartheid-Doku »Last Grave at Dimbaza« (Letztes Grab in Dimbaza) wurde Mitte der 70er Jahre von den Aktivisten der Londoner Filmkooperative Morena Films ohne Genehmigungen in Südafrika gedreht und ist in den Sammlungen des Kinos Arsenal in einer heftig rotstichigen 16mm-Kopie vorhanden. »Last Grave in Dimbaza« ist eine fulminante Anklage gegen das frühere Unrechtsregime, mit damals noch sensationellen Aufnahmen schwarzer Arbeiter in Minen und Haushalten, von Männerunterkünften und Frauenarmut, von schwarzer Not und weißem Golfspiel, schwarzen Nannies für weiße Kinder und schwarzen Kindern mit Hungerbäuchen – alles mit einem Kommentar in schönstem Oxford-Englisch unterlegt, der politisch trotzdem auf der einzig richtigen Seite steht.

Kino Arsenal, Potsdamer Straße 2, 18.8.-31.8., Tel.: (030) 26 95 51 00

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