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Papstbesuch spaltet Spanien

Benedikt XVI. in Madrid freundlich begrüßt – Polizei knüppelte Protestdemonstration nieder

  • Von Ralf Streck, Madrid
  • Lesedauer: 3 Min.

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Papst Benedikt XVI. macht Spanien seine Aufwartung. Auf dem Flughafen Barajas begrüßten ihn am Donnerstag das spanische Königspaar, Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, Kardinäle sowie Hunderte junger Katholiken. Willkommen ist der Heilige Vater nicht allen: Bei den Protesten gegen seine Visite am Mittwochabend wurden in Madrid elf Menschen durch Polizeigewalt verletzt.
Zeichnung: Harm Bengen
Zeichnung: Harm Bengen

Inmitten von Protesten hat Papst Benedikt XVI. am Donnerstag einen viertägigen Besuch in Spanien begonnen. Bei seiner Ankunft anlässlich des katholischen Weltjugendtages in Madrid sagte der Pontifex, der Mensch und nicht der Profit müsse im Mittelpunkt der Wirtschaft stehen. Am Mittwochabend stand die Polizei im Mittelpunkt, als in Madrid etwa 20 000 Menschen gegen den Besuch von Benedikt XVI. demonstrierten.

Gut 150 Organisationen, darunter auch basiskirchliche Gruppen, hatten zur Demonstration aufgerufen. »Keinen Cent meiner Steuern für den Papst – Für einen laizistischen Staat«, lautete das Motto. Vor allem richtete man sich dagegen, dass in einem säkularen Land der katholische Weltjugendtag mit Millionen subventioniert wird. Geschätzt wird, dass die Hälfte der Kosten von mindestens 50 Millionen Euro der Steuerzahler trägt, obwohl in der aktuellen Krise überall gekürzt wird.

Die Stimmung war aufgeheizt, Immer wieder kam es im Verlauf der kurzen Route zu verbalen Gefechten mit Pilgern, die sich der Demonstration in den Weg stellten. Das muss nicht verwundern, schließlich bezeichnete auch der Sprecher der spanischen Bischofskonferenz, Juan Antonio Martínez Camino, die Demonstranten als »Parasiten«. So war der Kundgebungsplatz »Puerta del Sol« zunächst von Papst-Anhängern besetzt. Es war kein Zufall, dass sie sich hier sammelten, denn der »Sol« hat eine besondere Bedeutung. Er ist das Wahrzeichen der Bewegung der »Indignados« (Empörten) in Spanien.

Die Polizei trennte zunächst die beiden Gruppen, die sich gegenseitig verbal beharkten. »Weniger Religion, mehr Bildung«, riefen Demonstranten den Pilgern zu. Die ließen dafür »ihren Benedikt« hochleben. Nachdem die Demonstration den Kundgebungsplatz eingenommen hatte, gab gegen 23 Uhr ein Polizeiführer den Befehl zur Räumung. »Genug des schwulen Treibens, Knüppel raus«, zitiert die große Tageszeitung »El País« den Befehl. Spezialeinheiten hatten derweil die Zugänge abgeriegelt. Dann hagelte es Prügel.

Acht Demonstranten wurden festgenommen, die auch Flaschen geworfen haben sollen. Die Schläge gingen auch auf Journalisten nieder. Einer der Verletzten ist ein Fotograf aus Peru.

Die konservative Madrider Stadtregierung hatte ohnehin versucht, die Demonstration verbieten zu lassen. Ana Botella, Frau von Ex-Ministerpräsident José María Aznar, sprach von einer »Provokation«. Die PP-Politikerin, in der Hauptstadt für Umwelt und Mobilität verantwortlich, meinte, man dürfe »niemals« gegen etwas demonstrieren, »was schon organisiert ist«. Die Gattin von Aznar, der sich in der Franco-Diktatur als Falangist offen gegen den Übergang zur Demokratie aussprach, zeigt, welche Probleme die PP mit demokratischen Grundrechten hat. Ohnehin hat sich die PP nie vom klerikal-faschistischen Franco-Regime distanziert.

Erstaunlich ist auch, dass versucht wird, den geplanten Anschlag eines Ultrakatholiken auf die Demonstration tief zu hängen. José Alvano Pérez Bautista, der Austauschstudent aus Mexiko, der in Madrid Chemie studiert, war auch als freiwilliger Helfer beim Weltjugendtag tätig. Nach bisherigen Erkenntnissen habe er versucht, Giftgas herzustellen. Er hatte in ultrakatholischen Internet-Foren mit Angriffen gedroht und Mitstreiter gesucht.

Die Drohungen mit einem Anschlag aber hatte selbst die Staatsanwaltschaft als »schlechten Scherz« bezeichnet. Der 24-Jährige habe nicht ernsthaft die Absicht gehabt, seine in Internetforen verbreiteten Drohungen in die Tat umzusetzen, entschied der Richter und ließ Gnade walten. Der Student muss aber seinen Pass abgeben und sich täglich zweimal bei der Polizei melden.

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