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Zahladoption gegen Deutschtümelei

Verein in Leipzig vergibt Patenschaften und unterstützt Antidiskriminierungsprojekte

  • Von Franziska Höhnl (dpa), Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ein Leipziger Verein setzt ein Zeichen gegen deutschtümelnde Sprachpflegeinitiativen und unterstützt gleichzeitig Projekte gegen Diskriminierung. Das Instrument sind Patenschaften für die internationalen Zahlen.

Graf Zahl könnte sich wahrscheinlich kaum entscheiden. Soll er die »2« adoptieren oder die »0,09« oder doch die »-1000«? Die bekannte Figur aus der Sesamstraße könnte seine Liebe zu den Zahlen dank eines Leipziger Vereins mit einer Patenschaft ausdrücken. Die Lieblingszahl, das Geburtsdatum der Kinder oder die persönliche Glückszahl – jede beliebige Ziffernfolge steht zur Adoption frei. Eine Urkunde bescheinigt dem Paten die erfolgreiche Adoption, unbegrenzt und einmalig. 50 Zahlen haben laut Verein bereits einen Paten gefunden.

Die Erfinder dieser Patenschaften wollen mit ihrer Idee Kritik an einem ähnlich klingenden Projekt üben – den Wortpatenschaften. Seit fast fünf Jahren können bereits deutsche Wörter und Wortgruppen adoptiert werden, womit »die deutsche Sprache geschützt und wertgeschätzt werden« soll, wie es Wortpatenkoordinator Tobias Mindner ausdrückt.

Genau gegen dieses Anliegen wenden sich die Zahlpaten: »Sprachwissenschaftlich sind solche Projekte blanker Unsinn«, sagt Gregor Wiedemann, der im Vorstand der Zahlpaten sitzt. Sprache könne nur gepflegt werden, indem sie gesprochen werde. »Den selbst ernannten Sprachpflegern geht es eher um die Abweisung fremder Einflüsse«, kritisiert Wiedemann.

Die Zahlpatenschaft soll auf witzige Weise diese Kritik transportieren. »Zahlen werden im Gegensatz zu Sprachen überall auf der Welt gleich verstanden und verwendet.« Den Erlös aus den vergebenen Patenschaften spendet der Verein zwei Mal jährlich für Antidiskriminierungsprojekte. 455 Euro nahm im Juli das Dresdner Antidiskriminierungsbüro in Empfang.

Der kritische Hintergrund des Projekts war ein Grund für Stefan Schönfelder, die »2705« zu adoptieren. »Das ist das Datum meines Hochzeitstages«, verrät er. »Das ist nebenbei ganz nützlich, weil mich die Urkunde im Wohnzimmer immer an ihn erinnert.« Schönfelder arbeitet für die Heinrich-Böll-Stiftung in Dresden und beschäftigt sich auch beruflich mit Diskriminierung. »Eine kritische Auseinandersetzung mit den Wortpatenschaften finde ich durchaus angebracht«, sagt Schönfelder. Den Hinweis auf die Zahlpatenschaften entdeckte er auf dem Facebook-Profil eines Freundes.

Der Leipziger Carsten Wurtmann sicherte sich die Zahl »666«, um das Anliegen der Vereinsgründer zu unterstützen. Die dreifache Sechs, bekannt als Zahl des Teufels, hat er mit Bedacht gewählt. »Wer die christliche Beschreibung des Teufels genau liest, erkennt, dass er das Sinnbild des Rebellen ist«, sagt er. »Seine Kritik an allem habe ich in eine Kritik an Sprachpflegeprojekten umgemünzt.«

Die Initiatoren des Wortpatenprojekts wollen die Kritik der Zahlpaten nicht kommentieren. »Bisher haben wir von vielen Seiten großes Lob bekommen«, sagt Tobias Mindner, der die aktuell 13 600 Wortpatenschaften betreut. Unter den Paten finden sich der ehemalige »Tagesthemen«-Spre- cher Ulrich Wickert (sicherte sich »Freiheit«), die DDR-Rocker Puhdys (»Meistermusiker«) oder die Schauspielerin Iris Berben (»Silberhochzeit«).

Vielleicht entdeckt Prominenz bald auch die Zahlen für sich. Dank Kommas, dem Minus und der freien Reihbarkeit aller Ziffern stehen unendlich viele zur Adoption.

Informationen im Internet unter: www.zahlpatenschaft.de

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