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Das Kunstkombinat

Die Berliner Festspiele begehen am Wochenende gleich drei Jubiläen

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

Wenn heute die Berliner Festspiele ihr Jahresmotto »Wir feiern« ernst nehmen und zur großen, bunten Geburtstagsparty ins Haus der Berliner Festspiele an der Schaperstraße einladen, dann gibt es gleich mehrfach Grund dafür. Denn wenigstens drei mit der Geschichte jener Institution verknüpfte Jubiläen fallen ins Jahr 2011. Und diese Historie reicht zurück bis 1951. Am 5. September eröffneten die ersten (West-)Berliner Festwochen, ein von den eigens gegründeten Berliner Festspielen ausgerichtetes, auf mehrere Wochen verteiltes Festival. Als Honoratioren waren zugegen Bundespräsident Theodor Heuss und Westberlins Bürgermeister Ernst Reuter.

Wurde das Festival zunächst von den West-Alliierten finanziert, übernahm es 1953 das Land Westberlin. Ihre Erstausgabe erlebten 1951 auch die Internationalen Filmfestspiele Berlin. Beide Festivals zogen im Westen der Nachkriegsstadt Zuschauer an: 153 000 in 250 Veranstaltungen allein die Festwochen. Das ermutigte zu zwei weiteren Einrichtungen 1964: der Theaterwettbewerb, der seit 1966 Theatertreffen heißt, und Berliner Jazztage, aus denen 1981 das JazzFest Berlin wurde. Mit zunehmender Resonanz teilten sich ab 1967 Bund und Berlin je zur Hälfte in die Finanzierung der nun Berliner Festspiele GmbH genannten Leitinstitution.

Als dienstlängster Intendant stand ihr von 1973 bis 2000 Ulrich Eckhardt vor. In seine Ägide fallen der Umzug in die Budapester Straße sowie ab 1979 das im Drei-Jahres-Rhythmus ausgetragene Festival der Weltkulturen »Horizonte«, das 1989 der ehemaligen Kongresshalle zum Namen Haus der Kulturen der Welt verhalf. Und es setzten Bemühungen um das Publikum der Zukunft ein.

So zeigt ab 1980 das Schüler-Theatertreffen, seit 1985 Theatertreffen der Jugend, Ergebnisse des Bundeswettbewerbs »Schüler machen Theater«. Aus dem 1984 initiierten Treffen Junger Liedermacher, das Teilnehmern des Bundeswettbewerbs »Schüler machen Lieder« offensteht, ging 1991 das Treffen Junge Musik-Szene hervor. Ab 1986 folgte das Treffen Junger Autoren für den Bundeswettbewerb »Schüler schreiben«. Dazwischen, 1981, gewinnen die Berliner Festspiele mit dem wiedereröffneten Martin-Gropius-Bau einen spektakulären Ausstellungsort, den die Schau »Preußen« einweiht. Im Jubeljahr 1987 richten sie die Stadt-Feierlichkeiten aus, rufen weitere Konstanten ins Leben: die Vortragsreihe Berliner Lektionen und die zur Stiftung mit eigenem Objekt gewordene »Topographie des Terrors«. 1991 übernehmen sie aus der DDR die Musik-Biennale Berlin, aus der 2002, dann im Jahresrhythmus, die MaerzMusik als Festival für aktuelle Musik wird. Da hatte 2001 bereits Joachim Sartorius die Intendanz angetreten. Neu ist: Der Bund finanziert die Berliner Festspiele nun vollständig und vermacht ihnen beide Häuser, Freie Volksbühne und Gropiusbau.

Zu den Jubilaren 2011 zählt auch die Freie Volksbühne, 1961/62 von Fritz Bornemann als »demokratisches Theater« mit Sicht von allen 1000 Plätzen erbaut, 1963 von Willy Brandt eingesegnet. Erwin Piscator, Kurt Hübner, Hans Neuenfels waren Intendanten dieses Repertoire-Theaters. Als der Senat dem tragenden Verein ab 1992 Subventionen verweigerte, musste er das Haus verkaufen, bis es 2001 der Bund anmietete. Die Festspiele verfügen damit erstmals über eine eigene Spielstätte. 2002 fusionierten sie mit dem Haus der Kulturen der Welt, dem Gropiusbau und den Internationalen Filmfestspielen zur Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH.

Als Podium für internationale Tanz- und Theatergastspiele im nunmehrigen Haus der Berliner Festspiele formierte sich 2004 die spielzeit’europa. Im Jahr darauf wurde in Nachfolge der Festwochen das musikfest berlin aus der Taufe gehoben, ging das internationale literaturfestival berlin, 2001 begründet, in die Obhut der Festspiele über. Sie präsentieren nun in breiter Phalanx Entwicklungen von Musik, Theater, Tanz, Literatur und bauten den Gropiusbau zum Zentrum vielfältiger Ausstellungen kulturhistorischer bis zeitgenössischer Themen aus. Der Jahresetat beträgt heute rund 10 Millionen Euro.

Die Jubiläen 60 Jahre Berliner Festspiele und Filmfestspiele, 50 Jahre Freie Volksbühne, zehn Jahre im eigenen Haus unter der Intendanz von Joachim Sartorius feiern sich besonders gut im frisch sanierten Gebäude. Zu Gebote aus dem Konjunkturprogramm II standen dafür etwa 15 Millionen Euro, die in Kassenhalle, Foyers, Zuschauerraum mit neuer Bestuhlung, Bühnentechnik und Gebäudetechnik, hier Lüftung, Heizung, Brandschutz und Elektro, investiert wurden: von temporär einbaubarer Kinotechnik über verbesserte Akustik bis zu Schallschutz. Die Gastspielensembles aus aller Welt wird das freuen.

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