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Würmer statt Pillen

Neue Therapie bei Multipler Sklerose und Morbus Crohn wird geprüft

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In verschiedenen Studien in den USA und Deutschland untersuchen Wissenschaftler die Wirkung einer Trinklösung bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und anderen Krankheiten. Die Substanz enthält Eier des Schweinepeitschenwurms (Trichuris suis).

Es klingt ein bisschen unappetitlich, ist aber offenbar wirkungsvoll: Die Wurmtherapie. Schon länger ist bekannt, dass MS-Patienten mit Parasiteninfektionen in der Kernspintomografie weniger Schübe und Krankheitsaktivitäten zeigen. Ralf Gold vom deutschen MS-Kompetenznetz warnt jedoch vor übertriebenen Hoffnungen: Noch gebe es nur unzureichende Erfahrungen mit den Wirkungen und Risiken einer derartigen Therapie.

Eine kürzlich in der Fachzeitschrift »Nature« veröffentlichte Studie zu den mit MS assoziierten genetischen Varianten könnte jedoch ein Hinweis dafür sein, dass die Wurmtherapie in eine nützliche Richtung zielt. Bei der Überprüfung der Erbsubstanz von fast 10 000 MS-Patienten in 15 Ländern wurden nämlich 29 neue genetische Varianten identifiziert, die mit der Krankheit verbunden sind. Viele davon spielen eine grundlegende Rolle für das Immunsystem, insbesondere für die T-Zellen, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Beteiligte Forscher aus Cambridge, Mainz und München sind sich nun sicher, dass MS primär eine immunologische Krankheit ist.

Eine veränderte Immunantwort wird auch durch die Besiedlung mit Würmern ausgelöst. Mediziner halten demzufolge deren Einsatz auch gegen Allergien, Asthma sowie die entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn für möglich. In einer Studie der Universität Iowa wurde bereits 2004 Probanden eine Trinklösung aus Peitschenwurmeiern verabreicht. Die Eier bleiben 14 Tage lang im Körper, sterben danach ab und werden ausgeschieden. Nach 24 Wochen besserten sich die Symptome bei 28 Patienten, 21 waren nach eigenen Angaben symptomfrei. Die neuerlichen Versuche, mit Hilfe des Schweinepeitschenwurms gegen MS vorzugehen, sind Teil einer Phase-I-Pilotstudie. In diesem Abschnitt einer Arzneimittelstudie wird unter anderem die Verträglichkeit und Sicherheit des Medikaments geprüft, noch nicht aber das Therapiekonzept oder die Dosis.

Den Testpersonen schmeckt die Mischung »angenehm salzig wie ein Sportgetränk«, allerdings verursachte sie auch leichte Magen-Darm-Beschwerden. Gewonnen werden die Eier von trächtigen Würmern aus dem Darm von Schweinen. Die Forscher hoffen, dass sich auf diesem Weg entzündlichen Läsionen im Zentralen Nervensystem reduzieren lassen, die zum MS-Befund gehören. Eine zweite größere Studie dazu läuft zur Zeit noch in Deutschland, dazu können sich bei einer ganzen Reihe von Ärzten noch M. Crohn-Patienten zur Teilnahme melden

Einige Forscher vermuten sogar einen Zusammenhang zwischen den seltener gewordenen Würmern im menschlichen, vor allem auch kindlichen Darm und den dafür häufiger auftretenden Allergien. Es stellt sich die Frage, ob die Parasiten und andere Kleinstlebewesen, die nicht krank machen, dem Training des Immunsystems nützen können.

Der passgenaue Einsatz von lebenden Tieren in der Medizin sorgte in jüngster Zeit mit dem Einsatz von Maden zur Wundheilung für einiges Aufsehen. Zur Anwendung kamen steril gezüchtete Larven der Fliegenart Lucilia sericata. Ihre Sekrete lösen abgestorbenes Gewebe auf und vertilgen die Überreste davon, verschonen aber gesundes Gewebe. Diese Trennung schaffen Chirurgen so fein und präzise nicht. Die Madensekrete enthalten auch Zytokine, welche die Wundheilung beschleunigen, und bekämpfen andere Krankheitserreger. Eine britische Studie dämpfte allerdings 2009 die Hoffnungen: Bei dem sogenannten »Offenen Bein«, einem schwer heilenden Geschwür am Unterschenkel, dauerte die Wundheilung mit Maden immer noch 236, bei dem alternativ eingesetztem Hydrogel nur wenig länger, nämlich 245 Tage. Auch klagten die Patienten mit der Madenbehandlung vor dem Verbandwechsel über deutliche Schmerzen.

www.dccv.de/crohn-colitis/forschung/studien/studienaufrufe/aktiv/studie-mit-tso-fuer-patientinnen-und-patienten-mit-aktivem-morbus-crohn/

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