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Abschied von Dr. Fehlerlos

Kommentar von Silvia Ottow

Selbstverständlich gehört die vergessene Chirurgenschere im Bauch des operierten Patienten zum unverzichtbaren Futter der bunten Hast-du-schon-gehört- und Stell-dir-mal-sowas-vor-Blätter, sie charakterisiert nicht die Qualität der Arbeit von Ärztinnen und Ärzten. Und doch gehören weder das vergessene Chirurgenbesteck noch die Amputation des gesunden Beines in deutschen Kliniken der Vergangenheit an. Ganz zu schweigen von weniger schwerwiegenden Behandlungsfehlern, die allzu oft unnötiges Leid verursachen.

Kaum zu glauben, dass angesichts der Situation flächendeckende Strategien zur Fehlervermeidung fehlen. Längst nicht alle Kliniken haben ein entsprechendes Management und von 345 anonym befragten Jungmedizinern hörten lediglich knapp 17 Prozent schon einmal etwas von Instrumenten zur Fehlervermeidung. Dazu gehören etwa Armbänder zur Identifizierung von Patienten, anonyme Meldesysteme für Fehler oder Beinahe-Fehler sowie das sogenannte Team-Time-Out. Das meint ein letztes Innehalten des OP-Teams vor dem ersten Schnitt, um sich korrekter Vorbereitung zu vergewissern und den Eingriff zu vergegenwärtigen.

Angesichts der Arbeitsverdichtung in den Kliniken und der Komplexität des heutigen Gesundheitssystems sollte das Image vom Dr. Fehlerlos der Vergangenheit angehören und einem ehrlichen Qualitätsmanagement Platz machen.

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