Schaulauf im Zeitfenster

RBB-Nummernprogramm zur Wahl mit Kandidaten

  • Von Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 2 Min.

Bereits in der Abendschau des RBB sind an diesem Dienstagabend die möglichen Kombinationen vorsortiert. Öffentlich-rechtlich hat gemeinsam mit Springers »Morgenpost« forschen lassen. Für unsere Gebühren sagt der Sender »Danke«, und er bietet um 20.15 Uhr alle fünf Spitzenkandidaten der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien auf. »Honeckers Jahrhundertbau« entfalle, sagt uns ein Programmhinweis.

Das gilt noch nicht für den von Umfragen geschundenen FDP-Mann Christoph Meyer. Der hat 36. Geburtstag, setzt auf »Selbstverantwortung und Freiheit«, sieht in Berlin »fast sozialistische Verhältnisse«. Meyer spult konzentriert das Wahlprogramm ab. Wie die andern dann auch. Hier geht es aber nur um Schaulaufen, die Präsentation.

Die Moderatoren fragen, Gymnasiasten fragen, die Kandidaten antworten. Einzeln und brav hintereinander, nicht mit- und schon gar nicht gegeneinander. Eine Art Nummernprogramm ohne den Reiz und Pfeffer des Dialogs oder gar Streits. Jedem sind sieben Minuten zugestanden, ein Stückchen zum Kennenlernen und Minütchen für Nachfragen. Nach 60 Minuten knallt das Zeitfenster für alle zu.

Als »Anwalt des kleinen Mannes« wolle sich LINKE-Kandidat Harald Wolf profilieren, offenbart der Sender. Doch erst die Pflicht: »Es gibt keine Rechtfertigung für den Mauerbau. Den Brief an Castro hätten wir so nicht geschrieben.« Gewohnt sachlich setzt Wolf Zahlen gegen die von Moderator Sascha Hingst – Wolfs sind besser. Trotz Zeitnot versucht er immer mal die Präzisierung. So ist Wolf eben. Auch mit seiner zeitlichen Punktlandung.

Nach dem Frauensenator die einzige Frau in der Runde. Die kriegt's gleich ganz dicke von der sonst meist so fröhlichen Moderatorin Cathrin Böhme: Von 30 auf 20 Prozent – liegt's an Ihnen? Mit der CDU? Stadt oder Posten? Renate Künast eiert, will nichts ausschließen, lieber über Inhalte reden. Erst mal in Schwung, formuliert sie flott. Kein Tempo 30 mehr, nur vor Altersheimen und Schulen.

Vor den Regierenden Amtsinhaber Klaus Wowereit (SPD) ist Frank Henkel (CDU) gesetzt. Der will es »den drei linken Parteien unmöglich machen, ohne uns zu regieren«. Wowereit will Kiez statt Kanzleramt. Mit wem, sagt er nicht. Es ist sicher auch fortune, dass zwei Feuerteufel just gestanden haben. Sonst keine Neuigkeiten. Nur »Die Kreuzfahrt« ist inzwischen auch verlegt.

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