Wieder alle Blicke auf Semenya

800-m-Weltmeisterin kehrt nach Geschlechtsdrama auf WM-Bühne zurück

  • Von Ralf Jarkowski, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.

Bühne frei für Caster Semenya. Südafrika liefert nach Prothesenläufer Oscar Pistorius auch die nächste große Geschichte der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Daegu. Schon im heutigen Vorlauf schauen viele genau hin: Wie ist Semenyas Form? Ist sie nervös? Kann sie wieder Gold holen? Wohl kaum. Zuletzt machte der 20-Jährigen eine Rückenverletzung zu schaffen, sodass sie nicht zum Favoritenkreis zählt.

»Sie war immer startberechtigt. Als Athletin ist sie uns genauso willkommen wie alle anderen«, sagt Helmut Digel, deutsches Council-Mitglied des Weltverbandes IAAF. Die Weltmeisterin steht seit dem Berlin-Trauma, das sie wohl nie richtig verarbeiten wird, enorm unter Druck.

Bei der WM in Deutschland war von den Funktionären bereits ein Geschlechtstest für die arglose Läuferin angeordnet worden, bevor die damals 18-Jährige im Finale in der Weltklassezeit von 1:55,45 Minuten die Goldmedaille holte. Diese Leistung und ihre herb-männliche Erscheinung hatten viele Blicke auf sie gelenkt – Fragen kamen auf. Gerüchte. Zweifel. Der Fall löste einen sportpolitischen, juristischen und ethischen Konflikt aus.

Semenya tauchte ab und erst Mitte Juli 2010 bei einem Meeting in Finnlands Wäldern wieder auf. Nur sechs 800-Meter-Rennen bestritt sie im Vorjahr, in der WM-Saison schon wieder 13.

Vor dem Comeback in Südkorea hat sich Semenya abgeschottet und seit WM-Beginn keine Interviews mehr gegeben. Die Problematik sei »natürlich nicht aus der Welt. Ich vermute, dass es für Caster Semenya nicht ganz einfach sein wird. Sie ist weiterhin gut beraten, zu den Dingen nicht Stellung zu nehmen«, empfiehlt Digel.

Südafrikanische Medien hatten Zweifel an Semenyas Form aufkommen lassen, ihr Management sah sich zu einer Klarstellung genötigt: »Die jüngsten Berichte, dass Caster Semenya nicht bereit ist, ihren Titel zu verteidigen, sind unwahr.« Die Gerüchte sollten sie nur entmutigen und von ihrer Goldmission ablenken.

Die IAAF musste nach dem Fall reagieren – und preschte dann sogar vor: Als erster internationaler Sportverband führte sie eine Bestimmung für Athletinnen mit einer Überproduktion männlicher Hormone ein. Die Regel für den sogenannten Hyperandrogenismus ist seit dem 1. Mai für alle internationalen Wettkämpfe gültig.

Auch für Janeth Jepkosgei, die von Semenya in Berlin als Weltmeisterin entthront wurde, ist damals nicht alles gut gelaufen. Doch das müsse man nun abhaken. »Jetzt ist es ein faires Spiel, aber feiern kann ich das nicht«, gab die Kenianerin zu.

Ergebnisse

20 km Gehen, Frauen

1. Kaniskina (Russland) 1:29:42 h
2. Liu (China) 1:30:00
3. Kirdjapkina (Russland) 1:30:13

Krantz (Wattenscheid) und Seeger (Potsdam) ausgestiegen

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