Warum fasziniert uns das?

Charlotte Roche begreift ihr Buch »Schoßgebete« als Traumatherapie

  • Von Martin Hatzius
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Wenn es üblich wäre, splitternackt durch die Stadt zu laufen, würde sich kein Mensch für Charlotte Roches Bücher interessieren. Ist es aber nicht. Deshalb verkaufte sich »Feuchtgebiete« zwei Millionen Mal. Deshalb startete »Schoßgebete« jetzt mit einer Auflage von 500 000 Exemplaren. Splitternackt durch die Stadt zu laufen, gehört sich nicht. Wer es dennoch tut, wird alle Blicke auf sich ziehen: empörte und verschämte, lüsterne und belustigte. Dass das so ist, verrät nichts über den Exhibitionisten, aber viel über uns Voyeure.

Charlotte Roche hat ihr neues Buch einen Roman genannt und die junge Frau, die sich darin in jeder Hinsicht nackig macht, Elizabeth. Einen Menschen, der sich im öffentlichen Raum entblößt, finden wir weniger anstößig, wenn er sich Aktionskünstler nennt, erst recht: Romanfigur. Das Signalwort »Kunst« entbindet uns vom Impuls, die Polizei zu rufen – oder wenigstens einen Arzt.

Weil der biografische Rahmen d...


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