Verwirrung um die Kaltreserve

Berlin/Saarbrücken (dpa/ND). Das Kohlekraftwerk im saarländischen Ensdorf steht entgegen den Angaben der Bundesnetzagentur nicht als Kaltreserve für den Fall von Stromengpässen zur Verfügung. Der Kraftwerkseigner VSE teilte das in Saarbrücken mit. Er hatte den betreffenden Block 3 im Juli wenige Wochen nach der Bestandsaufnahme der Netzagentur an die Saarstahl verpachtet, die den Strom für sich nutzt.

Ein Sprecher der Netzagentur sagte der Nachrichtenagentur dpa, das Kraftwerk mit einer Leistung von 283 Megawatt sei zum Zeitpunkt der Erhebung nicht am Netz gewesen und liefere inzwischen Strom. Dadurch sei auch die angenommene Stromlücke von rund 1000 Megawatt automatisch kleiner geworden und es würden weniger Reserven benötigt. Von einem Fehler der Netzagentur wollte er nicht sprechen.

VSE betonte, die Bundesnetzagentur habe ihre Angaben zur Kaltreserve »missverständlich kommuniziert«. Auf der Pressekonferenz von Netzagenturpräsident Matthias Kurth war am Mittwochmorgen Ensdorf explizit als Kaltreserve genannt worden. Wörtlich teilte die Netzagentur mit: »Wir haben in Bezug auf das Großkraftwerk 3 in Mannheim, das Kraftwerk 2 Mainz-Wiesbaden und das Kraftwerk Block C in Ensdorf sicherstellen können, dass diese für die Spannungshaltung im Rhein-Main-Neckar-Raum wichtigen Anlagen im Bedarfsfall für die Erbringung von Reserveleistungen zur Verfügung stehen können.«

Die saarländische grüne Umweltministerin Simone Peter betonte, Ensdorf 3 stehe nach der Verpachtung zwar nicht mehr als Reserve zur Verfügung, decke aber durch seinen regelmäßigen Weiterbetrieb eine nicht unerhebliche Last im südwestdeutschen Netz.

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