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Fort Knox in Trudering

Der Euro kriselt, Gold boomt: Hinter schwer gesicherten Mauern macht die Münchner Firma »pro aurum« gute Geschäfte

  • Von Rudolf Stumberger, München
  • Lesedauer: 5 Min.
Goldhändler profitieren von dem aktuellen Run auf Edelmetalle. Die Zahl der Aufträge ist in letzter Zeit stark gestiegen. Ein Besuch bei einer Firma am Stadtrand von München, wo viel Geld mit Gold gemacht wird.
Das Goldhaus am Rande von München macht seinem Namen auch optisch alle Ehre. Es glänzt wie ein Quader des begehrten Edelmetalls, das derzeit bei den Käufern hoch im Kurs steht. Hier rechnet man nicht mit einem Preisverfall.
Das Goldhaus am Rande von München macht seinem Namen auch optisch alle Ehre. Es glänzt wie ein Quader des begehrten Edelmetalls, das derzeit bei den Käufern hoch im Kurs steht. Hier rechnet man nicht mit einem Preisverfall.

Nein, der Mitarbeiter im ersten Stock des gülden glänzenden Gebäudes nahe der Münchner Messe im Stadtteil Trudering-Riem murmelt nicht: »Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles.« Das »Faust«-Zitat würde aber passen, betrachtet man auf seinem Monitor die Verlaufskurve für den Kurs des Edelmetalls: Der Goldpreis ging und geht steil nach oben.

»Heute morgen um acht Uhr stand er erneut auf historischer Höhe«, sagt der Mitarbeiter. Und schon kommt per Internet der nächste Auftrag herein: Zehn Goldbarren à zehn Gramm und zwanzig österreichische Silbermünzen ordert ein Kunde aus Niedersachsen für rund 4600 Euro. Der Markt mit Edelmetallen boomt; wer wüsste das nicht besser als die Händler der Münchner Firma »pro aurum««. Damit der Kunde nicht erst lange suchen muss, erscheint die Firmenzentrale wie aus Goldquadern erbaut.

Das Vermögen zum Anfassen

Kommt Firmenchef Roland Hartmann auf Gold und das Äußere seines »Fort Knox in Trudering«, wie ein Lokalblatt titelte, zu sprechen, dann zielt das ziemlich tief hinein in das Mysterium des Edelmetalls, das an sich einen eher geringen industriellen Gebrauchswert, aber in den vergangenen Jahren einen steigenden Tauschwert aufweist. Dann geht es um die »physische Komponente« dieses Materials, das qua Konvention Geldwert zu speichern vermag, und um das »haptische Erleben« von Vermögen. Wo sich Aktiendepots nur noch virtuell denken lassen und das Sparkonto auch nur noch aus Einsen und Nullen besteht (also als digitale Aufzeichnung), bietet Gold die gute alte analoge Welt: Man kann es anfassen, sich als Schmuck um den Hals hängen, unter dem Dielenboden verstecken oder einfach nur stundenlang anschauen. Oder man kann es sicher in Safes oder Depots aufbewahren, wie hier an der Joseph-Wild-Straße.

Eine Fassade wie aus Goldbarren gemauert

Dieses wartet mit beeindruckenden Maßen auf: 42 Meter lang und 24 Meter breit, außen mit metallenen Platten aus recycelten Münzen verkleidet, so dass die Fassade wie aus Goldbarren gemauert erscheint. In der Menschheitsgeschichte wurden bisher rund 168 000 Tonnen Gold gefördert und genau diese Menge an Edelmetall würde in das Innere des Gebäudequaders passen. Der Hochsicherheits-Lagertresor im Keller ist für rund 754 Kubikmeter Gold ausgelegt, und damit kein Unbefugter danach greift, sind die 60 Zentimeter starken Kellerwände durch zusätzliche Stahlarmierungen versehen.

Als der Grundstein für das Truderinger Goldhaus 2008 im Beisein des damaligen Finanzstaatssekretärs und jetzigen bayerischen Finanzministers Georg Fahrenschon (CSU) gelegt wurde, war die Firma »pro aurum« erst fünf Jahre alt. Denn es war 2003, als Robert Hartmann zusammen mit Mirko Schmidt das Goldhandelsunternehmen aus der Taufe hob. Zuvor hatten die beiden Firmengründer im Edelmetallbereich der Deutschen Verkehrsbank gearbeitet, sich dann aber selbstständig gemacht, als ein Nachfolgeinstitut das Sorten- und Edelmetallgeschäft aufgab. Die Firmengründung kam zur rechten Zeit, denn der Markt für Edelmetalle begann zu boomen, nachdem er ab den 1980er Jahren dahingedümpelt hatte. Heute beschäftigt die Firma 100 Mitarbeiter an sieben Standorten, 49 davon in München.

Betritt man die dortige Zentrale und blickt einfach nur gerade aus, fällt der Blick auf »Big Phil« am anderen Ende des Eingangsbereiches. Mit 31,1 Kilogramm Gold ist das Stück »Wiener Philharmoniker« der Münze Österreich AG die größte Goldmünze Europas und, weil sie damit derzeit einen Wert von über einer Million Euro hat, nur durch Panzerglas zu bewundern. Der Wartebereich für die Kunden wurde informativ gestaltet: An den Wänden lässt sich eine Galerie der Gold- und Silbermünzen betrachten, zum Beispiel die handtellergroße Kookaburra-Münze aus Australien, die aus einem Kilo Silber besteht. Auf einem Großbildschirm lassen sich interessante Informationen abrufen: Etwa dass China mit 300 Tonnen pro Jahr das größte Goldförderland ist, gefolgt von Australien (220 Tonnen), Südafrika und den USA (je 210 Tonnen). Oder dass 60 Prozent oder 2572 Tonnen des gehandelten Goldes aus Minen stammen, 41 Tonnen aus den Beständen der Zentralbanken und 1674 Tonnen aus Recycling.

Die Kunden der Firma kommen zu 50 Prozent über das Internet, zur anderen Hälfte persönlich in die verschiedenen Filialen. Noch ist der Besitz von Gold nicht sehr verbreitet: Einer von dem Unternehmen in Auftrag gegebenen Umfrage zufolge besitzen nur acht Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland Edelmetalle als Wertanlage.

Ein gewöhnlicher Lagerraum

Den Wünschen der Kunden wird im Keller des Goldhauses entsprochen, wo Goldmünzen und Barren in neutrale Verpackungen gesteckt und an die angegebenen Adressen versendet werden. Wer bis hierher vordringen will, muss allerdings zunächst zwei Sicherheitsschleusen passieren, die Mitarbeiter tauschen täglich ihre Alltagskleidung gegen Arbeitsmonturen. An jedem Verpackungsarbeitsplatz dokumentiert eine Videokamera den Vorgang. Der eigentliche Goldtresor erinnert eher an einen gewöhnlichen Lagerraum, wären da nicht die aufgestapelten Goldbarren und die Münzen in einem offenen Regal. Kunden können in diesem Kellergeschoss auch Schließfächer anmieten. Eine eigene Numismatikabteilung widmet sich dem Handel mit Münzen, deren Wert weit über den kursabhängigen Materialwert hinausgehen kann.

Die Erhaltung der Kaufkraft, die Absicherung gegen Wertverlust durch Inflation, das sind für Firmenchef Hartmann die Gründe, warum seine Kunden in Gold investieren. Und der derzeitige Boom sei eine Antwort auf die wachsende Unsicherheit in der Welt: »Der Goldpreis spiegelt das Vertrauen in die politische Führung wider.« Dieses Vertrauen der Bürger scheint momentan nicht sehr groß zu sein, jedenfalls sieht Edelmetallhändler Hartmann noch kein Ende des derzeitigen Höhenflugs: »Ich kann keine Goldblase sehen.«

Allerdings heißt es in der Fachliteratur, dem »Edelmetall Handbuch«, auch: »Der richtige Ausstiegszeitpunkt ist mit großer Wahrscheinlichkeit dann, wenn allgemein in den Medien zu Edelmetallen geraten wird.«

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