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Angemessener Lohn statt zusätzliche Jobs

Psychiatrie-Beschäftigte protestieren in Berlin

Am heutigen Mittwoch wollen Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) in Berlin erneut mit einem Aktionstag auf ihre schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam machen.

Mit einem Demonstrationszug von der Berliner Charité zum Bundesgesundheitsministerium wollen sie ihre Forderungen nach angemessener Vergütung und einer Reform der Ausbildung auf die Straße tragen. »Die Route wurde bewusst gewählt«, betont Sarah Eckardt vom Vorbereitungskreis. »Unsere Forderungen richten sich sowohl an die Berliner Kliniken als auch an die Politik.« In der Verantwortung der Kliniken lägen die angemessene Entlohnung und die Arbeitsbedingungen. Von der Politik fordern sie eine Änderung des Psychotherapeutengesetzes. Dort seien die Pflichten der PiA geregelt, über deren Rechte aber findet sich nichts, moniert Eckardt.

»Einige Kliniken berufen sich auf dieses Gesetz und argumentieren, da die Entlohnung der PiA nicht gesetzlich geregelt ist, brauchen sie nicht bezahlt zu werden«, schildert sie die Arbeitsbedingungen. Deshalb sind viele PiA gezwungen, zusätzliche Jobs anzunehmen, um zu überleben. Die drei bis fünfjährige Ausbildung zum Psychotherapeuten setzt ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Psychologie oder der Sozialpädagogik voraus und ist notwendig zur Erlangung der Approbation. Sie ist in den ersten anderthalb Jahren mit einer praktischen Tätigkeit in psychiatrischen Kliniken von durchschnittlich 30 Stunden pro Woche verbunden. Obwohl die angehenden Psychotherapeuten dort meist die gleiche Arbeit wie die Kollegen mit einem Berufsabschluss verrichten, werden sie vielfach gering oder gar nicht bezahlt.

Der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sind diese Zustände schon lange bekannt. »Viele angehende Psychotherapeuten und deren Familien leben unter dem Existenzminimum und behandeln ihre Patienten auf hohem Niveau für weniger als einen Euro pro Stunde«, heißt es in einer Stellungnahme der Gewerkschaft. Bei ver.di wurde eine Arbeitsgruppe für die besondere Problematik der PiA eingerichtet. Dort wurde ein Mustervertrag ausgearbeitet, der nach den Vorstellungen der Kollegen künftig gelten soll. »Statt der bisher üblichen leeren Klauseln in den Praktikumvereinbarungen fordern wir schriftliche Verträge der Klinken für unsere praktische Tätigkeit«, so Eckardt. Sie sieht mit dem Anliegen auch die Interessen der Patienten vertreten. Schließlich leide die Qualität der therapeutischen Arbeit unter mangelnder Entlohnung. »Wir wollen die bestmögliche Versorgung der Patienten und sehen diese immer wieder durch Einsparungen und Kürzungen an den Kliniken gefährdet«, berichtet Eckardt. Ähnliche Berichte sind mittlerweile aus vielen Teilen des Gesundheits- und Pflegebereichs zu hören. Allerdings ist eine Koordinierung der sehr fragmentierten Beschäftigtenstruktur im Gesundheitsbereich nicht einfach. »Wir würden uns gerne weiter vernetzen«, sagt Eckardt.

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