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Bravheit in Perfektion

Popstar George Michael gastierte mit Symphonieorchester in der O2-Halle

In den 80er Jahren gab es das erfolgreiche Popduo »Wham!«, bestehend aus zwei hübschen Jungs, die in kurzen Hosen auf der Bühne die Hüften schwangen. Doch während der eine, Andrew Ridgeley, ansonsten nichts konnte, verstand sich der andere, George Michael, zudem aufs Komponieren, Texten und Produzieren. Ab den späten 80ern schlug der Engländer mit dem glasklaren Tenor eine Solokarriere ein und gilt bis heute als einer der größten lebenden Popstars.

Zwar machte Michael im letzten Jahr vor allem mit einem kurzen Gefängnisaufenthalt von sich reden, weil er unter Drogen Autos angefahren und lädiert hatte. Doch seinem Ruf als Musiker tat das keinen Abbruch. Nach fünf Jahren Deutschland-Abstinenz spielte der 48-Jährige am Montag im Rahmen seiner »Symphonica, The European Orchestral Tour« vor 14 000 Fans in der ausverkauften Berliner O2-Arena (Zusatzkonzert: 15.11.).

Hinter einem roten Samtvorhang, der nach den ersten Klängen seines Songs »Through« langsam herabglitt, erschien der sensible Poptitan vor dem Hintergrund einer ausufernden lava-artigen Computeranimation. Mit getönter Brille, gepflegter Bart- und Kurzhaarfrisur und im eleganten dunklen Zwirn sang er gegen den Applaus des Publikums an. Begleitet von einem Symphonieorchester schloss er mit seiner Interpretation von Nina Simones Swing »My Baby just cares for me« an.

Michael kann auch live das Beste aus seiner Stimme herausholen: Kein falscher Ton entweicht seiner Kehle. Als ein Höhepunkt seiner Gesangskunst folgte bald »Cowboys and Angels«, seine schöne jazzige Ballade von 1990. Bei besonders andächtigen Stücken nahm er in Frank-Sinatra-Pose auf einem Barhocker Platz. Dann wiederum schritt er die Bühne auf und ab, vermied dabei jedoch im Unterschied zu früheren Tourneen allzu schweißtreibende Bewegungen.

Der Schmuse-Sound geriet jedoch auf Dauer zum Problem. Zwar hatte die Ankündigung, dass er mit Orchester auftritt, keine fetzige Live-Action erwarten lassen. Aber: George Michael ist ein Popstar, dessen Bühnen-Pirouetten früher Zehntausende zu Jubelstürmen animierten. Für eine riesige Halle wie die O2-World wirkte seine jetzige Zurückhaltung reichlich gediegen. Doch Perfektion war schon immer ein Knackpunkt bei Michael. Trotz oder gerade wegen seiner multiplen Talente, konnte er als Künstler das Musterknaben-Image nie ganz abschütteln, ungeachtet diverser Schlagzeilen in der Klatschpresse.

Den Großteil der enthusiastischen Zuhörerschaft ließen derlei Überlegungen freilich kalt. Unterm Strich bleibt George Michael einfach ein exzellenter Sänger, dessen Songschreiber-Qualitäten ein sanfter Vortrag eher unterstreicht. Auch den zahlreichen Cover-Versionen von Police (»Roxanne«) über New Order (»True Faith«) verlieh er eine eigene Note.

Seine Hommage an die kürzlich verstorbene Amy Winehouse mit deren Lied »Love is a losing game« geriet zu einem besonders emotionalen Moment. Zudem kreischte das altersmäßig bunt gemischte Publikum immer dann besonders freudig auf, wenn Michael einen 80er-Jahre-Song ankündigte. Es applaudierte heftig, blieb aber brav sitzen.

Bis der Sänger in der letzten Viertelstunde noch einmal mächtig aufdrehte und seine legendären Performer-Qualitäten zur Schau stellte. Als Michael hüftwackelnd und händeklatschend den Wham-Song »I’m your man«, gefolgt vom großartigen »Freedom 90« zum Besten gab und das Publikum zum Mitmachen animierte, hielt es keinen mehr auf den Stühlen. Der Star bedankte sich gerührt und trat nach gut zwei Stunden ab – leider ohne seine berühmte Pirouette.

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