Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Späte Ehrung für Georg Elser

  • Von Jürgen Prause (epd)
  • Lesedauer: 3 Min.
Georg Elser
Georg Elser

Lange war Georg Elser ein verkannter Held. Jetzt wird dem Mann, der Adolf Hitler töten wollte, an zentraler Stelle in Berlin ein Denkmal errichtet. Eine 17 Meter hohe geschwungene Stahlskulptur mit dem Gesichtsprofil des schwäbischen Schreiners entsteht dort, wo sich einst Hitlers Machtzentrale befand. 72 Jahre nach dem gescheiterten Attentat auf den nationalsozialistischen Diktator im Münchner Bürgerbräukeller soll das Denkmal am 8. November eingeweiht werden. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen, am Donnerstag fand die symbolische Grundsteinlegung statt.

Der Standort des neuen Denkmals an der Ecke Wilhelmstraße/An der Kolonnade ist symbolträchtig. Hier stand einst die von Albert Speer erbaute Neue Reichskanzlei Hitlers. Das monumentale Gebäude wurde nach dem Krieg auf Geheiß der Sowjets gesprengt. Heute stehen auf dem Grundstück Plattenbauten. In der Nähe befand sich in der NS-Zeit auch die Gestapo-Zentrale, in der Elser nach dem Bombenanschlag im November 1939 verhört wurde.

Dem Einzeltäter blieb die Anerkennung als Widerstandskämpfer lange versagt, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geriet er für viele Jahre in Vergessenheit. Erst spät wurde seine mutige Tat, die den Lauf der Geschichte hätte ändern können, in der Bundesrepublik gewürdigt. Seit Jahren setzen sich mehrere Georg-Elser-Initiativen dafür ein, dass der NS-Gegner einen angemessenen Platz in der deutschen Gedenkkultur erhält. Bundesweit sind heute rund 40 Straßen und Plätze sowie mehrere Schulen nach Elser benannt.

In mehreren deutschen Städten gibt es bereits Elser-Denkmäler, so in München, Konstanz, Freiburg und im schwäbischen Königsbronn, wo Elser aufwuchs. Auch in Berlin wurde 2008 eine Elser-Büste vor dem Bundesinnenministerium im Moabiter Spreebogen aufgestellt. Doch die neue, von dem Künstler Ulrich Klages entworfene Skulptur wird bei weitem die größte öffentliche Ausstrahlung haben. Damit werde ein »unübersehbar sichtbares« Zeichen der Erinnerung gesetzt, das Elsers Bekanntheit erhöhen werde, sagt Manfred Maier vom Georg-Elser-Arbeitskreis in Heidenheim.

Für die Errichtung des Denkmals hatte das Land Berlin einen europaweiten Wettbewerb ausgeschrieben. Eine Jury wählte im Oktober 2010 den Entwurf von Klages aus. Zuvor hatte sich der Schriftsteller Rolf Hochhuth für ein Elser-Denkmal an prominenter Stelle in der Hauptstadt eingesetzt, das Berliner Abgeordnetenhaus schloss sich der Initiative an. Die Gesamtkosten für das Denkmal betragen 400 000 Euro. Davon trägt das Land Berlin 350 000 Euro. 50 000 Euro steuert ein Mäzen bei, der nicht genannt werden will.

Die Berliner Erinnerungslandschaft zur NS-Vergangenheit wird mit der neuen Elser-Skulptur um einen weiteren markanten Gedenkort erweitert, in Fußweite des Denkmals für die ermordeten Juden Europas und der Ausstellung »Topographie des Terrors«. Das Profil Georg Elsers, der 1945 von den Nationalsozialisten ermordet wurde, wird künftig in der Wilhelmstraße in der Dunkelheit leuchten.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln