Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Getauschte Rollen

Kommentar von Uwe Sattler

Die Zeiten ändern sich. Jahrzehntelang stand die Türkei als Bittsteller vor den Toren EU-Europas. Bereits 1959 hatte sich Ankara um Aufnahme in die damalige EWG bemüht; seit sechs Jahren laufen Beitrittsgespräche mit Brüssel – ohne absehbares Ende. Mal waren es die von der EU monierten Menschenrechte in den Kurdengebieten, mal der Boykott zyprischer Schiffe in Nordzypern, die die Verhandlungen blockierten.

Allerdings diktiert inzwischen Ankara die Bedingungen. Waren die Forderungen nach besseren Integrationschancen der Türken in Europa noch vor Jahresfrist von der EU weitgehend als lächerlich abgetan worden, werden die erneuerten Aufrufe durch den türkischen Präsidenten nun gehört – nicht nur, weil sie Gül im gemäßigten Tonfall vorbrachte. Mit einem Wirtschaftswachstum von fast zwölf Prozent im ersten Quartal schlägt die Türkei die EU-Staaten um Längen; in den nordafrikanischen Umbruchstaaten hat Ankara ebenso Pflöcke gesetzt wie in Nahost. Wirtschafts- und außenpolitisch kommt die EU an Ankara nicht mehr vorbei.

Dass dies zu einer schnelleren Annäherung zwischen EU und der Türkei führen wird, ist jedoch zweifelhaft. Das Erstarken der Regionalmacht am Bosporus dürfte die Ängste vor einer »Islamisierung Europas«, insbesondere in Frankreich und Deutschland, noch verstärken. Denn diese stehen hinter der Auseinandersetzung um nicht erfüllte Aufnahmekriterien und Beitrittsparagrafen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln