Die Fruchtbarkeit der Randgebiete

Halberstadt ist erstmals Gastgeber für das internationale »Forum Kunst des Mittelalters«

  • Von Uwe Kraus, Halberstadt
  • Lesedauer: 3 Min.
Zum ersten Mal findet in dieser Woche das internationale »Forum Kunst des Mittelalters« in Halberstadt statt. Für die Stadt im Vorharz ist das Expertentreffen ein großes Ereignis, für die Teilnehmer soll es ganz neue Erfahrungen bringen.

Nicht einmal die Wissenschaftler aus New York haben gefragt: »Warum, verdammt, in Halberstadt?« In der berühmten Domstadt in Sachsen-Anhalt wird ab heute bis zum 24. September 2011 zum ersten Mal das »Forum Kunst des Mittelalters« organisiert. Die Resonanz auf die Einladung zu dem internationalen Kongress hat alle Erwartungen des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft und der Domschatzverwaltung Halberstadt übertroffen.

»Der internationale Kongress versammelt in der Harzstadt 90 Referenten aus ganz Europa, Russland und Amerika, die ihre Forschungsergebnisse im freien Gedankenaustausch zwischen Wissenschaftlern, Studenten und an mittelalterlicher Kunst interessierten Tagungsgästen vorstellen und diskutieren«, erläutert Dom-Kustos Thomas Labusiak, einer der Organisatoren vor Ort. Das Forum sei eine wunderbare Plattform des Austausches, weil viele Aspekte der Jahre von 500 bis 1500 kunstwissenschaftlich eher selten betrachtet werden.

Exkursionen in den Harz

Labusiak nennt es »die Fruchtbarkeit der Randgebiete«, die von den Historikern noch sehr unvollständig beackert worden seien. »Unser Ansatz ist ungeheuer breit gefasst, so dass der Runenforscher sich ebenso einbringen wird wie der Mosaik-Experte.«

Die 16 thematisch vielfältigen Sektionen reichen von Architektur und Malerei bis hin zu den Phänomenen von Siegeln, Textilien und Reliquienschreinen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Kunst des 13. Jahrhunderts.

Linda Herbst aus dem Vorbereitungsteam findet dieses Treffen der Kapazitäten auf dem Gebiet der mittelalterlichen Kunstgeschichte »ideal für den Domschatz und gut für die ganze Region«. Denn es wird nicht nur über mittelalterliche Kunstgeschichte in der gesamten Breite und an Orten zwischen Skandinavien und Sizilien diskutiert, sondern die gleiche Palette bei den Gästen angestrebt. Nicht nur universitäre Dispute seien gefragt. Vor allem Museen und zahlreiche Denkmalpfleger haben ihr Kommen ebenso avisiert wie Studenten und an mittelalterlicher Kunst interessierte Tagungsgäste. Selbst das letzte Halberstädter Hotelbett sei seit Wochen belegt, sagt Herbst, man habe in den Harz ausweichen müssen. Dorthin führen auch einige der Exkursionen während der vier Kongresstage.

Wolfgang Augustyn, Vorsitzender des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft, Rainer Kahsnitz (Berlin) und Gerhard Lutz (Dom-Museum Hildesheim) vom Vorbereitungsteam »Forum Kunst des Mittelalters« nennen das Treffen »eine Tagung in Bewegung«. Die Sektionen treffen sich an den Orten, über die sie reden. Dazu gehören der Domschatz und die romanische Liebfrauenkirche ebenso wie die Moses Mendelssohn Akademie für jüdische Geschichte.

So hätten die Teilnehmer die einmalige Chance, den weltweit bedeutenden Domschatz nicht nur aus den Publikationen kennen zu lernen, sagt Dom-Kustos Labusiak. »Wer von einem Treffpunkt der Sektionen zum anderen wandelt, der wird zum Schauen animiert und gezwungen, den facettenreiche Stadtorganismus kennenzulernen. Er wird ihn erlaufen und erfahren im Sinne von Erfahrungen machen. Es gibt schon genug Kongresse, auf denen nur zwischen Auditorium und Kaffeetassen im Foyer gependelt wird.«

Charakter einer Messe

Labusiak verweist auf den Messecharakter des Forums. »Namhafte Verlage und Forschungsinstitutionen bauen hier ihre Stände auf. Eine neue Erfahrung für uns hier.« Ihn freut, dass Sponsoren bis nach New York »dem Forum-Konzept vertrauen und Geld in Ideen investieren«.

Weitere Informationen im Netz unter: www.mittelalterkongress.de

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung