Im Zweifel fürs Geld

Beim FC Barcelona wird über den umstrittenen Trikotsponsor Qatar Foundation abgestimmt

Sportlich ist beim spanischen Meister und Champions League-Sieger FC Barcelona alles im Lot. Finanziell leidet der Verein unter einer Schieflage: Den hohen Einnahmen von zuletzt 473,4 Millionen Euro im Jahr stehen noch höhere Kosten gegenüber. Da kam das Angebot der milliardenschweren Qatar Foundation (Katar Stiftung) gerade recht, für fünfeinhalb Jahre Trikotwerbung satte 165 Millionen Euro zu offerieren. Während das Angebot beim Präsidenten Sandro Rosell auf Zustimmung stieß, halten viele Mitglieder die Kooperation mit dem Scheichtum für unvereinbar mit den demokratischen Werten des Vereins.

Eine Versammlung, zu der über 1200 Delegierte erwartet werden, entscheidet nun am Samstag, ob der bereits laufende Vertrag storniert werden soll. Seit dieser Saison tragen die Barça-Spieler zum ersten Mal nach 111 Jahren Vereinsgeschichte kommerzielle Trikotwerbung (Foto Fàbregas (l.) und Messi: AFP/Lago). Bis Mitte 2006 war das Trikot komplett frei, anschließend zierte das Logo des UNO-Kinderhilfswerk UNICEF die Brust, wofür Barcelona gar noch zahlte, was das Image eines auch sozialen Zwecken verpflichteten Vereins weiter förderte.

Més que un club (Mehr als ein Verein) – das Selbstverständnis ist im Hemdkragen der Trikots eingewebt und wurde in den Zeiten der Franco-Diktatur (1939-1975) geprägt oder wie es der Schriftsteller Sergi Pàmies ausdrückte: »Während der Franco-Zeit waren Barças Siege ein Placebo, um den Hunger nach Freiheit zu stillen.«

Das Scheichtum Katar mag das liberalste aller Scheichtümer sein, für Freiheit und Menschenrechte nach westlichem Verständnis steht es sicher nicht. Der Jahresbericht von Amnesty International spricht von unmenschlichen Strafen wie Peitschenhiebe für Alkoholgenuss, verbreiteter Gewalt gegen Frauen und vieles mehr. Selbst Todesurteile werden noch gefällt, wenn 2010 auch keine vollstreckt wurden.

Für ein paar Vereinsmitglieder Grund genug, die »Plataforma Consulta Qatar« einzuberufen, mit der mittels Unterschriftensammlung eine Mitgliederversammlung bewirkt werden soll. Dafür brauchen sie 7000 Stimmen der über 170 000 Mitglieder, mehr als 5700 haben sie schon. Doch Präsident Rosell bestreitet, dass die Initiative ihn dazu bewogen hat, eine Delegiertenversammlung einzuberufen. »Wir sind eine transparente und demokratische Vereinsführung. Wenn es Themen gibt, die ernsthaft unter Mitgliedern und Fans diskutiert werden, ist es besser, die Meinung der Delegierten einzuholen«, begründete er in einem Interview mit der katalanischen Zeitung »La Vanguardia« sein Vorgehen und machte Werbung in eigener Sache: Dem Emirat Katar als Land im Nahen Osten könne man durch die Partnerschaft helfen, den Weg in eine demokratische Zukunft zu erleichtern, um anschließend eine Drohkulisse gegen ein Negativvotum aufzubauen: »Wir könnten uns dann nicht mehr das beste Team der Welt oder den besten Trainer leisten«, warnte er.

Öffentlich Schützenhilfe hat Rosell vom Erfolgstrainer Pep Guardiola erhalten, der einst seine Karriere in Katar ausklingen ließ. Guardiola macht aus seiner Präferenz kein Hehl »Die Zeiten erfordern Verträge wie diese.« So ist kaum zu erwarten, dass sich die Delegierten mehrheitlich gegen den Vertrag aussprechen. Die »Plataforma Consulta Qatar« hält sich die Option offen, auch nach der Abstimmung weiter für eine Vollversammlung zu kämpfen und lehnt sich dabei an eine geflügelte Formel von Guardiola an: »Wir werden beharren.«

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