Armenien in der Ära der Räuberbarone

20 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung ist das Land in den Händen heimischer Kartelle

Richard Giragosian ist Direktor des Zentrums für Regionale Studien in der armenischen Hauptstadt Jerewan. Wie andere ehemalige Sowjetrepubliken feierte Armenien im September seine 20-jährige Unabhängigkeit. Wirtschaftlich gab es allerdings nicht viel zu feiern. Große Teile der Bevölkerung leiden unter Armut, viele suchen ihr Heil in der Emigration. Das Misstrauen gegenüber den politischen Akteuren groß ist. Auf die Frage nach den Schuldigen hört man immer wieder: »Die Oligarchen!« Über das armenische Oligarchensystem gab Giragosian im Gespräch mit Lennart Lehmann Auskunft.

Richard Giragosian

ND: Woraus resultiert die Macht der Oligarchen in Armenien?
Giragosian: Die Oligarchen entwickelten sich auf der Grundlage verschiedener Warenkartelle. Sie kontrollieren Import und Export von Schlüsselgütern und folglich auch die Preise. Ähnlich wie in Russland wurden führende Oligarchen Parlamentsabgeordnete. Damit erlangten sie juristische Immunität und Einfluss auf Reformen oder die Verhinderung von Reformen. Die Oligarchen wurden zum Staat. Ursprünglich nutzte die politische Elite sie als Stützen für ihre Politik. Doch nun sind Oligarchen eine Bedrohung für den Staat selbst geworden, weil sie keine Steuern zahlen und damit die Handlungsfähigkeit des Staates gefährden. Sie nehmen auch kaum an Parlamentssitzungen teil, weil sie ja mit ihren Geschäften befasst sind. Mit ihrem Handeln untergraben sie die Autorität des Staates.

Warum endet dieser Text denn jetzt schon? Mittendrin? Ich möchte den Artikel gerne weiterlesen!

Um den ganzen Artikel zu lesen, benötigen Sie ein entsprechendes Abo. Wenn Sie schon eins haben, loggen Sie sich einfach ein. Wenn nicht, probieren Sie doch mal unser Digital-Mini-Abo: