Wir mussten die Alten integrieren

Basketball-Nationalspieler Sven Schultze über das bittere EM-Aus und den Saisonstart mit Alba Berlin

Nach dem Zwischenrunden-Aus bei der Basketball-EM und der verpassten Olympiaqualifikation vor wenigen Wochen muss Nationalspieler SVEN SCHULTZE (Foto: dpa/Ghement) ab heute mit Alba Berlin schon wieder in der Qualifikation zur Euroleague ran. Vor dem ersten Turnierspiel in Charleroi gegen VEF Riga sprach Albas Co-Kapitän mit OLIVER HÄNDLER.

ND: Vor einem Monat sprach jeder von Dirk Nowitzkis kurzer Pause zwischen NBA-Saison und EM. Ihre Erholungsphase zwischen EM und dem heutigen Saisonbeginn mit Alba Berlin war noch kürzer. Sind Sie fit für die Euroleague-Qualifikation?
Schultze: Körperlich fühle ich mich gut. Ich habe bei der EM nicht so viele Minuten gespielt wie Dirk oder mein Teamkollege Heiko Schaffartzik. Die EM endete allerdings sehr abrupt. Alle flogen sofort irgendwo hin. Ich kam nach Hause und gleich ging es weiter zu einem Turnier nach Izmir. Auf die fehlende Pause muss man sich mental erst einmal einstellen.

Wie schwierig war der Abschied vom erneuten Olympiatraum?
Das ging alles sehr schnell und fühlte sich sehr seltsam an. Für die Jungs, die noch nie bei Olympia waren, tut es mir leid. Das ist eine einzigartige Erfahrung, die ich ihnen sehr gegönnt hätte. Sie müssen nun schauen, die nächste Chance in vier Jahren zu nutzen.

In der Nationalmannschaft steht ein Trainerwechsel an, bei Alba gab es ihn bereits. Vergleichen Sie doch mal den neuen Gordon Herbert mit dem alten Muli Katzurin.
Gordon bemüht sich sehr um Gespräche mit jedem Einzelnen und erklärt ihm seine Rolle. Das gefällt mir menschlich sehr. Als er unterschrieben hatte, rief er mich sofort an. Er fand es auch gut, dass ich die EM spielen wollte, und stimmt das Trainingspensum auf unsere körperliche Verfassung ab. Muli musste mitten in der Saison das Team schnell umkrempeln. Dagegen hatte Gordon mehr Zeit, uns seine Spielweise aufzudrücken. Noch haben wir aber nur drei, vier Spielzüge, so dass wir immer noch von den Fähigkeiten einzelner Spieler abhängig sind. Das hat zwar schon eine Struktur, die Mannschaft muss aber noch zusammenwachsen.

Sie sprechen die vielen Wechsel an. Leistungsträger wie Julius Jenkins oder Immanuel McElroy sind weg, dafür hat Alba in DaShaun Wood jetzt den besten Punktesammler der Liga. Wie schwierig war die Integration?
Eigentlich mussten wir die alten Spieler wie mich, Schaffartzik oder Lucca Staiger integrieren, da wir bei der Nationalmannschaft waren und die anderen spätestens seit der China-Reise eingespielt sind.

Auch die Gegner in der Euroleague-Qualifikation, in der Alba mit drei Siegen unter die besten zwei von 16 Mannschaften kommen muss, haben sich verändert. Wie kann man sich auf solche Gegner einstellen?
In erster Linie ist es wichtig, wie wir spielen. Unseren ersten Gegner Riga haben wir aber schon studiert. Und danach gucken wir von Spiel zu Spiel. Wir können die schwere Aufgabe schaffen. Das hängt nur von uns selbst ab, auch wenn wir so früh in der Saison noch nicht in der perfekten Verfassung sein können.

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