Werbung

Walther Petri tot

Querneben? Leben!

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die Graphiken Walther Petris, seinen Gedichtbänden beigegeben, sind ganz und gar Skizze; das sind Striche, die noch im anscheinend fertigen Zustand auf Suche nach einer endgültigen Kontur sind. Das gibt den gezeichneten Harlekinen, Frauen, Tanzenden, den Müden und Wartenden und Sinnenden etwas Erschöpftes, Heimatloses. Ankunft heißt jene Sehnsucht, die ihnen der Dichter dieser Bildwerke verweigert. Ankunft – er weiß doch selber nicht, was das ist. »Auf unabänderlichen Gründen« hieß eines seiner im Aufbau Verlag erschienenen Bücher, und der unabänderliche Grund meint das Wachstum einer Birke am »Trümmerrand der Synagoge«. Ein Mensch schaut staunend, demütig – selber entwurzelungsbedroht – auf zähe, sanfte Natur: Denn der eigene Grund, jener Boden, auf dem die Existenz des Menschen steht, ist alles andere als unabänderlich. Das Wanken als Grundgefühl. Walther Petri, der Bühnenbildner in Stralsund, der Oberschullehrer in Espenhain, der Lyriker und Filmdokumentarist, war kein selbstgewisser Mensch. Er bat seine Gedichte um Hilfe. Die Gedichte geben ihm, der sie schrieb, einen Stoß: Sei! Und sei immer du, also sag: Ich. Es geschah, und es geschah, dass es andere, die Leser, ein wenig kräftigte.

Die vom Clown abgeschaute Leichtigkeit in doch tiefer Wehmut, die Seinsherzlichkeit, das Augenzwinkern in den Versen Petris hatte Kraft und Grazie. »Für: Leider geht manches querneben/ Sage man einfach: Leben« (so heißt es im Band »Das Geschmeide des Harlekins«). Das sagt sich so einfach, wo es doch das Gegenteil vom Einfachen ist. Es gibt die Schwerkraft, die es ein Dasein lang zur Mühe macht, wirklich zur Welt zu kommen. Also gibt es über solches Dasein – nach überstandenen Niederwürfen, überwundenen Verzweiflungen, besiegten Depressionen – auch dies Wahrhaftige zu sagen: »Jetzt weißt du/deinen Tod und/welche Kraft/um aufzustehn du brauchst/um noch zu leben/bis du lebst«. Vor einer Woche, wie nun bekannt wurde, ist Walther Petri 71-jährig in Berlin gestorben.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Verschenken Sie das »nd«

Klare Worte, Kritische Debatten und mutiger Journalismus von Links: Das »nd« wird Sie bewegen.

Jetzt verschenken oder sich selbst beschenken