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Bier trinken für den Berliner Kiez

»Quartiermeister« sorgt fürs Gemeinwohl

  • Von Andreas Schneider, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

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Sebastian Jacob hat die Idee für das Sozialbier »Quartiermeister« während seiner Examensarbeit »zusammengebraut«. Von jeder Flasche fließen 15 Cent in die Sozialarbeit in den Problembezirken Berlins. Der Quartiermeister war früher für das Wohl im Heerlager zuständig. Sebastian Jacob will an diese Tradition anknüpfen: Sein »Quartiermeister« ist jedoch ein Pils. Es soll ganze Bezirke mit Wohltaten versorgen. Der Erlös des Bieres kommt sozialen Projekten in Neukölln und Kreuzberg zu Gute.
Jurastudent Jacob (30) hatte die Idee, als er an seiner Examensarbeit saß. »Es war im Grunde eine Kopfgeburt« sagt der junge Mann mit dem zerzausten Haar heute. Er habe nach einem simplen Weg zur Nachhaltigkeit gesucht, wie man den Verbrauchern etwas zurückgeben kann. »Bier ist genau das richtige Produkt – es macht Spaß, ist gesellig und auch etwas Lokales.«
Das Prinzip ist einfach: Das Bier einer regionalen Brauerei wird in großen Mengen zu Sonderpreisen gekauft und neu etikettiert. Danach landet es in Bars und Kneipen. So haben die Abnehmer Spielraum in ihrer Abrechnung und können Geld abzweigen, das später in soziale Projekte fließen soll. »Wir drehen den Spieß von der sozialen Marktwirtschaft mehr zum Sozialen«, sagt Jacob und lächelt. Die Leute hätten dann etwas von dem Geld, das sie in der Kneipe lassen.
Nach einiger Suche hatte Jacob die Garley-Brauerei in Gardelegen (Sachsen-Anhalt) gefunden. Mit ihr setzt er sein Konzept seit Sommer 2010 um. »Es gibt in Berlin viele Mikrobrauereien, die gutes Bier brauen«, sagt er. »Rotes Wedding«, Kreuzberger Molle« oder »Friedrichshainer« heißen sie. »Aber die waren für unsere Zwecke zu klein.« Auf der anderen Seite der Skala stünden nur die Großbrauereien, die Jacob meiden will.
Das Garley Premium Pilsner in seinen Flaschen sei dagegen das richtige Bier. Hopfen und Malz kommen aus umliegenden Anbaugebieten in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Bierkasten mit 20 Flaschen à 0,33 Liter geht im Schnitt für zehn Euro an die Kneipen, drei davon gehen an gemeinnützige Initiativen. Der Gastronom selbst macht seinen normalen Schnitt.
Die meisten der über 1300 Brauereien in Deutschland seien sozial engagiert, heißt es beim Deutschen Brauer-Bund. Jedoch stünden viele unter wirtschaftlichem Druck und zeigten sich vielleicht nicht mehr so großzügig wie in den 70er Jahren. Mit dem Konzept des Rechtsreferendars habe man sich bisher nicht näher befasst. »Alles was dem deutschen Bier dient, kann nur gut sein«, sagt Marc-Oliver Huhnholz, Pressesprecher der Brauer.
Der erste Abnehmer des Sozialbieres war Jacobs Stammkneipe »Freies Neukölln«. Heute werden 40 bis 50 Kneipen in Berlin beliefert, die meisten davon in Kreuzberg und in Neukölln. Regelmäßig wird der Gewinn in den Kiezen ausgeschüttet. Die Biertrinker können im Internet mitentscheiden, welche Projekte gefördert werden sollen. Mittlerweile bezuschussen die Bierfreunde unter anderem mehrere Projekte für Schüler, von der Hilfe bei den Hausaufgaben bis zu der Vorbereitung auf den Schulabschluss. »Die Knete, die übrig bleibt, fließt in Soziales«, sagt Sebastian Jacob salopp. Er selbst verdient dabei nach eigenen Angaben nichts.

Seit Mai dieses Jahres laufen sogar erste Versuche, das System auf ganz Deutschland auszuweiten. Die Stadtteilinitiative Koblenzer Straße in Frankfurt am Main verkauft seither das Sozialbier und fördert damit das eigene Tonstudio, die Fahrradwerkstatt und den Club. 200 Kästen wurden dort im Juli getrunken, in Berlin waren es zeitgleich etwa 500. Künftig übernimmt dann ein Partner von Garley den örtlichen »Quartiermeister« in Hessen und liefert lokales Bier aus dem Herborner Brauhaus. »In einigen Städten könnten die Marktverschlussmechanismen Probleme machen», sagt Jacob über weitere Expansionspläne. »Aber die gibt es in Berlin auch.«

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