Ein unabgegoltenes Erbe

Vor 120 Jahren: Sieg Marx'schen Denkens

  • Von Heinz Niemann
  • Lesedauer: ca. 7.5 Min.
Bei Brot und Wein versammelt – Köpfe der deutschen Sozialdemokratie 1893 in Zürich: Clara Zetkin (3.v.l.), daneben Friedrich Engels, August Bebel (4.v. r.) und Eduard Bernstein (r.)
Der Erfurter Parteitag der SPD vom 14. bis 20. Oktober 1891 fand in einem sich rasch verändernden Umfeld statt. Die Zeit war von zunehmenden Klassenkämpfen in Deutschland und anderen europäischen Ländern geprägt. Zwei internationale Arbeiterkongresse 1889 in Paris hatten gewachsenes Selbstbewusstsein signalisiert. »Und selbst in die dumpfe Luft dieses Reichstags drang ein Hauch der mächtigen Bewegung, die durch das europäische Proletariat wogte«, schrieb Franz Mehring.

Mächtige Fraktion

Am 25. Januar 1890 hatte der Reichstag die Verlängerung des Sozialistengesetzes mit 169 gegen 98 Stimmen abgelehnt. Bereits bei den Wahlen im Februar 1890 wurde die in einem zwölfjährigen Kampf gegen den »Eisernen Kanzler«, Otto von Bismarck, gereifte deutsche Sozialdemokratie mit 19,7 Prozent Stimmen die stärkste Partei und errang 35 Mandate. Die neue Situation warf aber auch neue Probleme auf. Es zeigte sich, dass das Zusammenwachsen von Eisenachern u...


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