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Hunger Macht Profit

Nahrungsmittel-Spekulanten erzielen riesige Gewinne auf Kosten der Ärmsten

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Das Hilfswerk Misereor warnt: Die zunehmende Spekulation mit Nahrungsmitteln bedroht Milliarden Menschen in der Dritten Welt.
»Von der Knappheit profitieren« – mit diesem Slogan werben Finanzdienstleister für ihre Rohstofffonds. Doch hier geht es nicht um seltene Edelmetalle, sondern um Nahrungsmittel. Deren relative Knappheit manifestiert sich immer wieder in Form von Hungersnöten. Mit Blick auf den Welternährungstag am 16. Oktober kritisierte das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor am Freitag die zunehmende »Spekulation mit Land und Nahrung«. So seien die beiden größten Rohstofffonds zwischen 2003 und 2008 »explodiert« – von 13 auf 317 Milliarden Dollar. Allein am Handelsplatz Chicago wurde im Jahr 2009 mehr als die Hälfte der globalen Weizenproduktion gehandelt.

Die Terminmärkte, die ursprünglich auch die Absicherung stabiler Preise garantieren sollten, haben sich seit dem Jahr 2000 in Zockerparadiese verwandelt. Wie der von Misereor eingeladene Börsenexperte Dirk Müller am Freitag auf einer Pressekonferenz in Berlin erläuterte, habe die »internationale Finanzlobby die Regulierungsbehörden davon überzeugt, die bis dahin geltenden Beschränkungen zu lockern oder ganz aufzuheben«. Seitdem gibt es kein Halten mehr. Hinzu kommen Rohstoff-Deals, die erst gar nicht über offizielle Börsen abgewickelt werden. Solche Geschäfte werden meist per Telefon verabredet. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich schätzt das Volumen dieser Deals allein für vergangene Jahr auf fast drei Billionen Dollar.

Dirk Müller widerlegte zudem die von der Finanzwirtschaft verbreitete Mär, wonach die Spekulation mit Nahrungsmitteln zu einer Stabilisierung der Preise führe. »Wenn viele hundert Milliarden US-Dollar zusätzlich in Rohstoffmärkte fließen, treibt das den Preis an den Märkten massiv an«. Müller verwies auf die Preisschwankungen beim Mais. Dieser habe sich etwa 2007 verdoppelt, nur um kurz darauf noch unter den Ausgangswert zu fallen. Diese Schwankungen ließen sich durch Missernten oder den wachsenden Bedarf an Bioethanol nicht erklären, so Müller. Hier wollten Spekulanten schnell Kasse machen.
Für die Bauern sei dieses Auf und Ab fatal, so Müller. Wer mit Blick auf hohe Preise in den Anbau von Mais investiere, werde von dem raschen Einbruch ruiniert. Besonders betroffen seien aber die Ärmsten der Armen, wie Misereor-Agrarexperte Benjamin Luig unterstrich. »Wenn die Preise steigen, trifft das 2,9 Milliarden Menschen, die mit weniger als zwei Dollar täglich überleben müssen«. Viele Familien seien ohnehin gezwungen, bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrung auszugeben. Für sie seien steigende Preise »lebensbedrohlich«, warnte Luig.

Ein weiteres Problem ist das sogenannte Land-Grabbing. Gemeint ist der Erwerb von riesigen Ackerflächen in der Dritten Welt durch private oder staatliche Investoren. Natürlich brauche vor allem die afrikanische Landwirtschaft dringend Investitionen, so Luig. Jedoch sei der bislang praktizierte Landkauf kontraproduktiv. So werde auf den Ackerflächen »die Nachfrage bedient, die Kaufkraft hat«. Dieser Logik zufolge produzieren die finanzstarken Landbesitzer aus den Golfstaaten, Europa oder China in Afrika für den heimischen Markt. Luig verwies auf Getreide, das nur noch zu 50 Prozent direkt zu Nahrungsmitteln verarbeitet werde. Etwa 35 Prozent fänden als Tierfutter Verwendung und der Rest werde »industriell genutzt«. Mit entsprechenden Folgen: Mitte der 90er Jahre gab es weltweit 850 Millionen hungernde Menschen. Heute sind es 950 Millionen.

Misereor fordert die Bundesregierung auf, sich beim Treffen der G20-Finanzminister im November für »mehr Transparenz und Regulierung einzusetzen«.

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