Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Massaker an Kopten

24 Menschen starben bei schweren Zusammenstößen in Kairo

  • Von Juliane Schumacher, Kairo
  • Lesedauer: 2 Min.
Bei Protesten von christlichen Kopten ist es in Ägypten zu den schwersten Ausschreitungen seit dem Sturz von Staatschef Husni Mubarak gekommen. Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und koptischen Demonstranten wurden am Sonntagabend mindestens 24 Menschen getötet und 200 verletzt.

Es ist ein schwarzer Tag für Ägypten: Mindestens 24 Menschen kamen bei der Gewalt zwischen hauptsächlich koptischen Protestierenden und dem Militär am Sonntag ums Leben, Hunderte wurden verletzt. Organisationen von jungen Kopten hatten zu einer Demonstration gegen die andauernde Herrschaft des Militärs aufgerufen, auch muslimische Protestierende hatten sich ihnen angeschlossen. Die Kopten werfen dem Militär vor, sie nicht zu schützen und gezielt religiöse Spannungen zu schüren. Bereits am Nachmittag war die Demonstration mehrmals von Polizei und Unbekannten attackiert worden, als Bilder von Hussein Tantawi, dem Staatsoberhaupt und Armeechef, verbrannt wurden.

Gegen 18 Uhr griff das Militär Demonstranten zufolge die friedliche Kundgebung vor dem staatlichen TV-Gebäude im zentralen Stadtteil Maspiro an, zusammen mit Gruppen von bezahlten Schlägern. Das Staatsfernsehen berichtete, Kopten hätten mit automatischen Waffen aus der Kundgebung heraus auf Soldaten geschossen. Die Organisatoren der Demonstration dementierten dies. Insbesondere der staatliche Sender Nil-TV hetzte gegen die Kopten und rief die Bürger auf, »ihr Militär« zu unterstützen. Das Militär griff gegen 21 Uhr die unabhängigen Fernsehsender Al-Hurra und TV25 an, um die Live-Übertragung zu unterbinden, in der Nacht kappte es der großen Tageszeitung »Al-Shorouq« Internet und Strom, vermutlich um sie am Druck von Bildern der Nacht zu hindern.

Über Stunden tobten Straßenschlachten in Maspiro, die sich später auf den Tahrir-Platz und die Innenstadt ausweiteten. Autos brannten, das Militär schoss scharf, Videos im Internet zeigen, wie Militärfahrzeuge in die Menge rasen und Protestierende überfahren. Der bekannte Blogger und Aktivist Hossam Hamalawy spricht von einem »Massaker« an den Protestierenden. Schlägertrupps, unterstützt möglicherweise von aufgebrachten Anwohnern, griffen das koptische Krankenhaus an, in das Verletzte gebracht worden waren, konnten jedoch nicht eindringen. Das Gesundheitsministerium sprach von 24 Toten, fünf davon von Seiten des Militärs. Mindestens 200 Menschen wurden verletzt.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln