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Müll und Stau in Athen

Griechenlands öffentliches Leben kommt allmählich zum Erliegen

  • Von Anke Stefan, Athen
  • Lesedauer: 2 Min.
Die griechischen Gewerkschaften wehren sich gegen neue Sondersteuern und proben für den nächsten Generalstreik in der kommenden Woche.

Wegen des Streiks der Bus-, Straßenbahn- und U-Bahn-Fahrer quälten sich am Donnerstag bereits frühmorgens lange Autoschlangen durch die Straßen Athens. An deren Rändern stapelt sich seit zwei Wochen der Müll. Denn an vielen Orten im Lande werden die öffentlichen Müllhalden von aufgebrachten Gemeindearbeitern besetzt. Die Staus verschärften sich, weil sich die Taxifahrer dem zweitägigen Streik im öffentlichen Verkehrswesen angeschlossen haben. Die Arbeitsniederlegungen erreichten auch die Akropolis. Angestellte des Kulturministeriums verwehrten Touristen den Zutritt zum Wahrzeichen der Stadt.

Von Mittwochabend bis Donnerstagmittag hielten darüber hinaus Gewerkschafter bei der teilstaatlichen Stromgesellschaft DEI das Rechenzentrum besetzt, um Druck und Versendung der neuen Stromrechnungen zu verhindern, mit denen die neueste Sondersteuer für Immobilienbesitz erhoben werden soll. Sie betrifft Hunderttausende kleiner Wohnungsbesitzer, auch wenn das bescheidene Eigenheim noch über Jahre abgestottert werden muss. Unterstützt werden die Beschäftigten des Stromkonzerns durch einen zehntägigen Streik der Angestellten im griechischen Finanzministerium, mit dem die Versendung der Bescheide über diverse andere Sondersteuern verzögert wird.

Seit mehr als einer Woche werden fast täglich Gebäude von Behörden und Ministerien besetzt, während Schüler wegen fehlender Bücher, Lehrer und Gelder bereits seit Mitte September 300 Mittel- und Oberschulen besetzt halten. Unterstützt werden sie vom Lehrpersonal, dessen Gewerkschaft nächste Woche ebenfalls streiken will.

Die Zöllner haben bereits für mindestens zehn Tage die Arbeit niedergelegt. Zudem fallen alle Nachrichtensendungen im öffentlichen Rundfunk und Fernsehen aus, da gestern und heute auch deren Bedienstete streiken. Am Mittwoch und Donnerstag nächster Woche soll dann das gesamte Wirtschaftsleben durch einen neuen Generalstreik zum Erliegen kommen.

Wegen der immer neuen Steuern und Kürzungen, fordert auch der Dachverband der Gewerkschaften im öffentlichen Dienst ADEDY, der von regierungsnahen Gewerkschaften dominiert ist, seine Mitglieder auf, »an allen Aktionen teilzunehmen, mit dem Ziel des Sturzes der für das Land und die Gesellschaft gefährlichen Regierungspolitik«.

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