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Comeback geglückt

»Alte Turndame« Oksana Tschussowitina erturnt WM-Silber am Sprung

  • Von Andreas Frank, SID
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die »Queen Mum« des Kunstturnens will unbedingt nach London. Und so genoss Oksana Tschussowitina kurz ihren silbernen Triumph, ballte nach ihren beiden Sprüngen sogar ganz untypisch die Faust, aber die Gedanken wanderten rasch zu ihren sechsten Olympischen Spielen im kommenden Jahr. Eine Zahl, im Frauenturnen so unglaublich, dass selbst Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB), bei seiner Dankesrede immer »nur« von der fünften bevorstehenden Teilnahme sprach.

Aber abwerten wollte die 36-Jährige ihren zweiten Platz bei den Turn-Weltmeisterschaften in Tokio im Sprungfinale auch nicht. »Jede Medaille ist etwas Besonderes«, sagte die gebürtige Usbekin nach dem erfolgreichen Ende ihrer zwölften WM - nur eine ihrer zahlreichen Bestmarken, die sie in mehr als zwei Jahrzehnten an der Weltspitze erreicht hat.

Vor 6000 Zuschauern im fast ausverkauften Metropolitan Gymnasium machte die Olympiazweite von Peking nicht nur am Sprungtisch, sondern auch taktisch alles richtig. Nach dem gelungenen ersten Sprung scheute sie beim zweiten Versuch das allerletzte Risiko und sicherte mit 14,733 Punkten die Silbermedaille ab. Der Titel ging mit klarem Vorsprung an Kayla Maroney aus den USA (15,300), Rang drei erturnte sich die Vietnamesin Thanh Phan Thi (14,666).

Bei allem wohligen Glücksgefühl hatte Tschussowitina aber auch nicht vergessen, dass ihre einzigartige Karriere noch zu Jahresbeginn auf der Kippe gestanden hatte: »Zwei Schulteroperationen, und dann noch eine OP an der Achillessehne, das war hart für mich, ich hatte ein bisschen Angst.« Aber das Comeback gelang, auch bei den Europameisterschaften in Berlin im April sprang die Mannschaftsolympiasieger von 1992 (!) zur Silbermedaille. Und aktuell behinderte sogar noch eine schmerzhafte Bauchmuskelzerrung die WM-Vorbereitungen.

Bis London gilt es nun, wieder ganz gesund zu werden, die doch langsam schwindenden Kräfte zu schonen, und sich mit dosiertem Training fit zu halten. »Ich muss immer mal wieder einen Punkt überwinden, an dem es mir schwer fällt. Aber ich kämpfe dafür«, sagte »Tschusso«, dank ihrer immensen Erfahrung auch ein ganz wichtiger stabilisierender Faktor für die deutsche Riege, die sich in Japans Hauptstadt für Olympia qualifizieren konnte.

Schon längst bastelt Tschussowitina an ihrer zweiten Karriere als Trainerin, nach London wird sie sich wieder verstärkt der Betreuung der Nationalriege Usbekistans zuwenden, die in Tokio an Olympia vorbeiturnte. Schon direkt nach dem deutschen Mannschaftsabend, nur einen Steinwurf vom Tokyo Tower im Szenestadtteil Roppongi entfernt, war sie wieder mit ihren zukünftigen Schützlingen im Gespräch.

Und wenn es in der britischen Hauptstadt tatsächlich noch einmal zu Edelmetall reichen sollte, wird sich Sohn Alisher besonders freuen, denn: »WM- und EM-Medaille sind für mich, Olympiamedaillen für ihn.«

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