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Wer lacht, der schimpft nicht

Pflegeexperte plädiert für das Grundrecht auf Humor in der Betreuung von Alten und Kranken

  • Von Günter Queißer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Pflege ohne Humor ist grausam, dabei kostet Humor nicht viel, meinte Professor Rolf D. Hirsch in seinem Vortrag auf einem Symposium der Alzheimer-Angehörigen-Initiative am vergangenen Freitag in Berlin.

Hilft Humor in der Pflege? Der Gerontopsychiater, Begründer der Initiative gegen Gewalt im Alter und Humorexperte Rolf D. Hirsch scheute sich nicht, vor seinem Publikum im überfüllten Großen Saal des Berliner Roten Rathauses auch mal selbst die rote Pappnase des Clowns aufzusetzen.

Natürlich sei in vielen Pflegeheimen die Situation alles andere als lustig. Personalmangel, Zeitdruck, geringe Anerkennung bei maximaler Arbeitsbelastung, zunehmender bürokratisch-technischer Wahnsinn und Sekundendokumentation verhinderten eher ein fröhlich-heiteres Arbeitsklima. Veränderungen seien von der Politik kaum zu erwarten.

Hirsch sieht die »Trotzmacht« Humor als ein »soziales Schmiermittel«, das Stress und Angstgefühle schlagartig verändern kann. Dass gute Pflege mit einem Lächeln beginnen kann, stehe in keiner Vorschrift oder Leitlinie. Lachen ist die beste Medizin, sagt die Volksweisheit. Doch sei kaum etwas darüber in Fachbüchern zu lesen. Dabei geht es hier um ein menschliches Grundbedürfnis, das kurzfristig Erleichterung verschafft. Und bei Demenz? Schluss mit lustig? Nein, auch Menschen mit Demenz verfügen noch über eine gute Portion Humor und lachen mitunter hemmungsloser als wir »Normale« und es geht ihnen dabei, wenn auch nur kurzzeitig, besser. In vielen Ländern sind Humor und Lachtherapie in den medizinischen Alltag integriert.

Clowns, seit Jahrtausenden bewährt, können als Heiler gute Hilfe leisten. Es habe sich gezeigt, dass ihr regelmäßiger Besuch den Krankheitsverlauf deutlich verkürzt und die Gesundung drastisch beschleunigt. Darüber hinaus verbessert es die Stimmung der Pflegenden. Menschen mit Demenz spüren, dass ein Clown ihnen wohlgesonnen, offen und ehrlich ist, sich mit dem Emotionalen des Kranken verbündet, dessen inneren Frohsinn aufspürt, ihn zum Lachen bringt. Und wer lacht, schimpft nicht, ist nicht aggressiv oder »verhaltensgestört«, dämmert nicht vor sich hin. Der Clown verkleinert so das Leid, macht es erträglicher. Die Stimmung wird ausgelassener. Grimassen werden geschnitten, es wird gesungen, getanzt, gehüpft. Man traut sich, frech, ungeniert und närrisch zu sein, mal aus Herzenslust schreien, flöten, pfeifen oder pupsen zu können. Die dumpfe Welt wird bunt, »Verhaltensauffälligkeiten« bleiben auf der Strecke. Demenzkranke können auf einmal wieder sprechen, lachen, singen, fröhlich sein.

Natürlich sind Mitarbeiter in Pflegeheimen auch skeptisch, sprechen von »Kindereien«. Professor Hirsch sieht das anders. Lachen sei ein Menschenrecht, das Teil der Basispflege sein sollte. In keinem Pflegeheim sollte dies weiter vernachlässigt werden, auch wenn es nicht in der »Charta der Rechte für hilfe- und pflegebedürftige Menschen« steht. Humor, das haben Untersuchungen gezeigt, unterstützt die körperliche und psychische Genesung, kräftigt das Abwehrsystem, fördert Selbstvertrauen und Selbstständigkeit, lindert Schmerzen und verringert Angst, Panik, Aggression sowie depressive Stimmung. Nicht zuletzt profitieren pflegende Angehörige von einem humorvollen Umgang mit ihrem Schützling und können Alltagsschwierigkeiten besser meistern.

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