Werbung

Warum keine Helmpflicht?

Ulrich Syberg zur Forderung des Verkehrsministers / Syberg ist Bundesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und bekennender Helmträger.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Fragwürdig: Warum keine Helmpflicht?

nd: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) forderte gestern in einem Zeitungsbericht die gesetzliche Helmpflicht für Fahrradfahrer - wenn nicht innerhalb der nächsten Jahre die Helmtragequote auf über 50 Prozent steigt. Der ADFC sagt, das wollen wir nicht. Warum?
Syberg: Weil das ein falscher Ansatz ist. Dass das Thema Fahrrad nur in Sonntagsreden auf der Agenda ist, sieht man am Radwegehaushalt, der von 2010 auf 2011 von 100 auf 80 Millionen Euro gekürzt wurde und zum nächsten Jahr auf 60 Millionen Euro. Ich habe das Gefühl, dass man den Fahrradfahrer aus der Mobilitätskette herausdrängen möchte. Fakt ist doch, wenn eine Helmpflicht kommt in Deutschland, dann werden viel weniger Fahrradfahrer auf unseren Straßen zu finden sein. Viele Leute werden sagen: »Mit dem Helm fahre ich nicht Fahrrad und ich setze mich wieder ins Auto.« Und damit hätten wir wieder das, was wir nicht wollen: Stau in den Innenstädten, Umweltverschmutzung, keine Gesundheitsprävention. Da geht es um die positiven Eigenschaften, die das Fahrrad fahren hat.

Was bedeutet die Haushaltskürzung für den Radwegebau?
An den Bundesstraßen und Bundeswasserstraßen findet kein vernünftiger Ausbau von Radwegen statt. Die Bundesländer haben teilweise ihren Etat im Radwegebau verdoppelt - zum Beispiel Nordrhein-Westfalen. Und die Bundesregierung kürzt ihn um ein Viertel. Das ist das falsche Zeichen. Wenn man mehr Fahrradfahrer auf den deutschen Straßen haben möchte, dann muss man ein Zeichen setzen und dann muss man den Etat zumindest halten. Wenn sie Radwege haben, die zwei, drei Meter breit sind, und sie können nebeneinander her radeln und vernünftig überholen, dann haben sie auch nicht die Gefahr des Sturzes, so wie jetzt. Die Leute steigen ja derzeit vermehrt um. Gerade in Berlin sieht man das täglich.

Und die Hälfte der Radfahrer, die dort tödlich verunglücken, wird von Rechtsabbiegern überfahren.
Man sollte bei den Verursachern anfangen. Fahrrad fahren ist nicht gefährlich. Wenn sich jemand schützen möchte und einen Helm aufsetzt, dann kann er das gerne freiwillig tun. Bei den meisten Unfällen hilft auch ein Helm nicht. Wenn sie von einem Auto umgesäbelt werden, das mindestens 30 Stundenkilometer schnell fährt, und sie schlagen auf den Holm vorne, dann hilft der Helm ganz bestimmt nicht. Deshalb fordern wir auch den Außenairbag.

Beispielsweise beim Thema Lkw haben wir dieses Jahr Gespräche mit vielen Verbänden geführt, auch mit der Automobilindustrie. Viele Hersteller arbeiten an elektronischen Brems- und Abbiegeassistenten oder Warnsystemen beim Türöffner. Aber die Bundesregierung sagt, ja, wir müssen das abwarten, beobachten. Die Autoindustrie ist viel weiter, aber es wird nicht eingebaut, wird nicht gefordert, nichts.

Teenager finden den Helm vielleicht uncool, aber wieso sagen Sie generell, Leute würden mit Helmpflicht weniger Rad fahren?
In Australien und Neuseeland wurde in den 90er Jahren die Helmpflicht eingeführt. Danach sind viel weniger Leute Fahrrad gefahren, aber es passierten viel mehr schwere Fahrradunfälle. In Deutschland wird ja nicht einmal untersucht, ob der Helm zu weniger schweren Unfällen führen würde.

Fragen: Jörg Meyer

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!