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Gleichungen, Frauen und Pistolen

Vor 200 Jahren wurde der Mathematiker Évariste Galois geboren

Er gilt heute als einer der genialsten Mathematiker aller Zeiten: der Franzose Évariste Galois, der am 25. Oktober 1811 in Bourg-la-Reine als Sohn des dortigen Bürgermeisters geboren wurde. Schon in der Schule schrieb ein Lehrer in sein Zeugnis: »Es ist das Feuer der Mathematik, das ihn beherrscht.« Der junge Galois wünschte sich daher nichts sehnlicher, als dieses Fach an der École Polytechnique in Paris studieren zu dürfen. Doch daraus wurde nichts. Zweimal fiel er wegen mangelhafter Vorbereitung durch die Aufnahmeprüfung, in der allerdings auch niemand fähig war, seinen kreativen Gedankensprüngen zu folgen. Einem Prüfer warf Galois daher vor Wut einen Schwamm an den Kopf.

Auch sein Studium an der 1794 gegründeten École Normale endete im Eklat. Weil er sich in der Julirevolution von 1830 auf die Seite der Republikaner gestellt hatte, wurde Galois relegiert und später sogar zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Sein Interesse an mathematischen Fragen erlosch jedoch nie. 1829 reichte er bei der Pariser Académie des Sciences eine Arbeit über die Lösung algebraischer Gleichungen ein. Indem er diesen darin eine sogenannte Permutationsgruppe zuordnete, gelang es ihm, Aussagen über die Lösbarkeit der Gleichungen zu gewinnen. Zwar hatte Galois damit ein uraltes algebraisches Problem bewältigt. Doch seine hierzu entwickelte Methode (Gruppentheorie) überstieg den Horizont der meisten Mathematiker. Auch die Akademie schickte ihm seine Arbeit mit der Bitte zurück, er möge sie gründlich überarbeiten und erweitern. Galois tat dies gleich mehrfach, um schließlich im Gefängnis zu erfahren, dass die Herren Akademiker seine Ideen noch immer »nicht ausreichend« verstünden.

Kurz nach seiner Haftentlassung lernte Galois eine junge Frau kennen, die vermutlich der Grund dafür war, dass er sich am 30. Mai 1832 zu einem Pistolenduell verabredete. In der Nacht davor schrieb er all seine Gedanken zur Algebra nieder und bat einen Freund, er möge das Manuskript den berühmten Mathematikern Carl Friedrich Gauß und Carl Gustav Jakob Jacobi zur Begutachtung vorlegen. »Danach wird es, so hoffe ich, einige Leute geben, die es für vorteilhaft erachten, diesen ganzen Wirrwarr zu entziffern.« Doch Galois' Hoffnung erfüllte sich nicht. Weder von Gauß noch von Jacobi ist eine Reaktion überliefert. Dass man heute dennoch respektvoll von der »Galoistheorie« spricht, gilt als Verdienst des französischen Mathematikers und Physikers Joseph Liouville, der die meisten Arbeiten von Galois 1846 in seinem »Journal de Mathématiques Pures et Appliquées« veröffentlichte.

Zu dieser Zeit war Galois bereits tot. Denn er hatte bei dem erwähnten Duell eine schwere Unterleibsverletzung erlitten. Und obwohl er stark blutete, ließen ihn seine Sekundanten allein auf dem Duellplatz zurück. Ein Bauer, der den tödlich verletzten Mathematiker dort fand, brachte ihn in ein nahe gelegenes Krankenhaus. Bei vollem Bewusstsein verzichtete Galois auf jeden priesterlichen Beistand und starb am folgenden Tag an einer Bauchfellentzündung. Er wurde nur 20 Jahre alt.

Was wohl wäre geschehen, hätte ein so genialer Geist wie Galois länger gelebt?, fragt der niederländische Wissenschaftshistoriker Dirk J. Struik und antwortet darauf gleichfalls im Konjunktiv: Vielleicht hätte die moderne Mathematik ihre tiefsten Gedanken fortan aus Paris empfangen statt aus Göttingen, wo Carl Friedrich Gauß zum unumstrittenen »Fürsten der Mathematiker« aufstieg.

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