Selbstermächtigung

Ein Gespräch über Medien als Protestverstärker, neue und alte Aktivisten – und den Funken im Winter

Zeichen des Widerstands: Peoples Mic: Das »Menschen-Mikrofon« ist eine Erfindung der Wall-Street-Besetzer. Sie dürfen keine elektrischen Lautverstärker nutzen, und benutzen daher ein natürliches Werkzeug: ihre Stimme. Wer etwas sagen will, ruft »Mic Check« und zeigt mit den Händen ein Megafon. Die Umstehenden wiederholen die Worte, bis alle Aufmerksamkeit auf die Person gerichtet ist. Während des Redebeitrags wird dann jeder einzelne Satz von den Anwesenden wiederholt, bis auch im hintersten Winkel des Platzes etwas ankommt. Nachteil: Der Chor erinnert an Gebete oder Militär. Vorteil: Die Sache ist anstrengend - der Redner fasst sich kürzer. Das Nachsprechen schärft die Aufmerksamkeit und schafft ein gutes Kollektivgefühl, weshalb auf Megafone auch da verzichtet wird, wo sie eigentlich zur Hand sind.

ND: Selbst die Aufrufer zum Aktionstag am 15. Oktober waren überrascht von der großen Resonanz in Deutschland. Hätten Sie erwartet, dass 40 000 Menschen auf die Straße gehen?
Teune: Das war unberechenbar, weil die Mobilisierung untypisch abgelaufen ist. Wenn Gewerkschaften, die Linkspartei oder Umweltverbände zu einer Demonstration aufrufen, dann weiß man im Vorfeld, da kommen soundsoviel Busse zusammen, vielleicht der eine oder andere Sonderzug. Und dann kann man abschätzen, welche Größenordnung eine Demonstration haben wird. Das war hier nicht der Fall.

ND: Die Protestaufrufe von Attac oder linken Organisationen in den vergangenen Jahren haben nicht verfangen bzw. sind verpufft. Auch die Spanier mit ihren Protestcamps wurden hier nicht zum direkten Vorbild. Wie kommt es, dass sich die Menschen jetzt von den Wall-Street-Protesten inspirieren lassen?
Die Medien haben sehr getrommelt. Das hat eine große Rolle gespielt.

Die Medien...




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