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Medizin-Eliten unter sich

Welt-Gesundheitsgipfel in Berlin beginnt

Am Sonntag beginnt in Berlin der viertägige »World Health Summit«. Bei der dritten Veranstaltung unter diesem Titel treffen sich Wissenschaftler, Mediziner, Vertreter der Pharmabranche und Politiker, um über die Gesundheitsversorgung des 21. Jahrhunderts zu diskutieren.

In den vergangenen beiden Jahren erntete der Gipfel viel Kritik von Gesundheits- und entwicklungspolitischen Organisationen. 2009 fand ein Gegengipfel statt, 2010 mit größerem inhaltlichen Abstand zum offiziellen Treffen die internationale Konferenz »Global - gerecht - gesund«. In diesem Jahr fehlen Alternativveranstaltungen, aber der Inhalt des Gipfels selbst hat sich leicht verändert: Diesmal stehen mehr Themen der prekären Gesundheitssysteme in den Entwicklungsländern auf der Tagesordnung. Darunter fällt der Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten und die Versorgung von Aids-Patienten in Afrika sowie reproduktiver Gesundheit.

Dennoch bleiben akademische und industrienahe Fragestellungen deutlich in der Überzahl, von Medikamentenfälschungen, Fortschritten in den Bio-Therapien über die Entwicklung neuer Antibiotika bis hin zur besonders kostspieligen personalisierten Medizin.

Erörtert werden auch Produktentwicklungspartnerschaften. In diesen schließen sich öffentliche und private Akteure ohne Profitanspruch zusammen, um möglichst schnell Mittel gegen Aids, Tuberkulose, Malaria und vernachlässigte Krankheiten wie die Schlafkrankheit oder die tropische Infektionskrankheit Leishmaniose zu entwickeln. Die 2003 gegründete Stiftung »Find« konzentriert sich auf die Entwicklung moderner und erschwinglicher Diagnostika, zu den Geldgebern gehören die Gates-Stiftung und die Europäische Union.

Trotz der leichten inhaltlichen Verschiebungen bleibt Christian Wagner-Ahlfs von der Buko-Pharmakampagne bei seiner Kritik: »Das ist einfach eine sehr elitäre Veranstaltung - da treffen sich einige Universitäten und sagen, wir lösen jetzt die Probleme der Weltgesundheit.« Hierfür gebe es aber demokratische, internationale Foren wie etwa die Weltgesundheitsorganisation WHO. »Zum anderen sind kommerzielle Akteure aus der Pharmabranche sehr präsent«, kritisiert Wagner-Ahlfs. »Zwischen deren Interessen und der Sorge um die öffentliche Gesundheit gibt es Konflikte, die stärker benannt werden sollten.« Für eine Alternativveranstaltung sei aber der Organisationsaufwand zu groß.

Auch Oliver Moldenhauer, Mitarbeiter der Hilfsorganistion »Ärzte ohne Grenzen«, ist skeptisch angesichts des großen Anteils der Pharmabranche an der Finanzierung und im Programm des Gipfels. Die Veranstalter hätten sich ihren Kritikern jedoch angenähert. »Sie wollten uns dabei haben. Das ist für uns aber nur mit einem kritischen Herangehen an die Pharmaindustrie machbar, denn bei der Versorgung mit lebensnotwendigen Medikamenten in den ärmeren Ländern sind die Unternehmen ein Teil des Problems. Da wir unsere Themen darstellen können, sind wir jetzt mit dabei.«

»Ärzte ohne Grenzen« ist zwar nicht Mitveranstalter oder Unterstützer des Gipfels, darauf legt Moldenhauer Wert, tritt aber als Gastgeber von vier Veranstaltungen auf, darunter eine gemeinsame mit der Menschenrechtsorganisation »Terre des hommes« zum Thema »Ernährung und Gesundheitsversorgung von Kleinkindern«. Auf einer weiteren Veranstaltung geht es um den Zugang zu patentgeschützten neueren Medikamenten in Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Nachfrage nach diesen Mitteln, zum Beispiel zur Aids-Therapie, steigt in beiden Staatengruppen, aber Patienten in den ärmsten Ländern bleiben häufiger unversorgt.

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