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Bischöfe im Öko-Test

Deutsche Umwelthilfe untersucht Dienstwagen der christlichen Amtsträger

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat den christlichen Kirchen auf den Zahn gefühlt: Wie halten es ihre Repräsentanten mit der Umwelt? Sie sündigen, sagt die Umwelthilfe.

Erstmals hat die Deutsche Umwelthilfe von Juli bis Oktober 2011 bei deutschen Bistümern, Landeskirchenämtern und Konsistorien untersucht, welche Dienstwagen mit welchem CO2-Ausstoß die höchsten evangelischen und katholischen Würdenträger nutzen. Brisant ist dies vor allem, weil gerade die großen Kirchen seit Jahrzehnten zur Bewahrung der Schöpfung aufrufen. Das Ergebnis der Dienstwagenerhebung ist überraschend: Die Mehrzahl der deutschen Bischöfe sind als Umweltsünder auf den Straßen unterwegs.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, zeigt den hohen christlichen Repräsentanten die gelb-rote Karte. Lediglich vier evangelische Spitzenvertreter, nämlich die von Bremen, Westfalen, Schaumburg-Lippe und Braunschweig, benutzen einen Dienstwagen, der beim Ausstoß unter dem EU-Zielwert von 2008 bleibt. Danach dürfen Autos höchstens 140 Gramm CO2/km abgeben.

Amtsbrüder tragen zur Zerstörung der Natur bei

Die anderen Amtsbrüder, insbesondere die katholischen, fallen beim aktuellen Öko-Test durch. »Es kann nicht sein, dass in den Kirchengemeinden für den Klimaschutz geworben wird und die Bischöfe mit Benzin im Blut unterwegs sind«, moniert Resch.

Immerhin hätten sich die allermeisten Kirchenvertreter willig an der Dienstwagenanfrage beteiligt. Lediglich acht von 46 verweigerten jede Auskunft, angeblich aus Sicherheitsgründen. Das Gesamtergebnis aber bleibt ernüchternd: Die deutschen Bischöfe predigen die Bewahrung der Schöpfung und tragen gleichzeitig zur Zerstörung der Natur bei.

Amrei Münster, Projektmanagerin bei der Deutschen Umwelthilfe, nennt ein Beispiel: »Landesbischöfin Ilse Junkermann lässt sich mit einem BMW 730Ld vorfahren. Sie fährt damit täglich von Magdeburg nach Erfurt und stößt dabei 180 Gramm CO2/km aus, obwohl die Evangelische Landeskirche in Mitteldeutschland gerade in diesem Jahr mit einer großen Kampagne warb, in den Gemeinden auf spritsparenden Fahrstil zu achten, auf das Rad umzusteigen und sich an Tempobegrenzungen zu halten.«

Schlusslicht beim Öko-Test bilden das Bistum Essen und die Evangelische Landeskirche in Hannover. Sowohl der evangelische Bischof Ralf Meister als auch der katholische Bischof Franz-Josef Overbeck lassen sich in einem VW Phaeton 3.0 mit einem Spitzenausstoß von 224 Gramm CO2/km durch die Lande fahren.

Dabei könnten die Bischöfe ihren Umwelt-Worten längst Taten folgen lassen. Natürlich sei ein Bischofsdienstwagen eine Art rollendes Büro und brauche daher einen gewissen Komfort, sagt Resch. Aber längst würden auch bei Limousinen umweltfreundlichere Modelle angeboten. Nur müssten sich die höchsten christlichen Amtsträger zum Wechsel durchringen.

Innerchristliche Debatte notwendig

Dabei bieten die meisten Autohersteller so etwas wie einen »Kardinalrabatt« an. Schließlich haben die Dienstfahrzeuge der christlichen Spitzenvertreter immer auch einen hohen Werbeeffekt. »Daher möchten wir, dass Bischöfe demonstrativ mit besonders effizienten Fahrzeugen fahren«, fordert Jürgen Resch. »Die deutschen Bischöfe sollten ihre Klimaschutzrhetorik auch für sich selbst ernst nehmen und aktiv zum Schutz des Klimas beitragen.«

Im nächsten Schritt will die Deutsche Umwelthilfe auch die Öko-Bilanz bei Dienstfahrten in kirchlichen Verwaltungen untersuchen. Immerhin sind beide Kirchen zusammen mit ihren zahlreichen diakonischen und karitativen Einrichtungen der größte Arbeitgeber im Land. Bis dahin aber wünscht sich der Umweltverband eine rege innerchristliche Öko-Diskussion.

»Wir fordern die Kirchengemeinden auf, Beschaffungsgrundsätze und Richtlinien zu erarbeiten, wie zukünftig die Vorbildfunktion der jeweiligen Bischöfe, Präsidentinnen und Präsidenten ausgeübt werden kann und welche Werte für die Dienstflotten der Mitarbeiter gelten sollen«, sagt Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe.

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