Juliane Schumacher, Kairo 26.10.2011 / Politik
nd-SERIE »Arabellion« 2011

Wir haben den Platz zu früh verlassen

Vier Wochen vor den Parlamentswahlen regiert in Ägypten die Ungewissheit über die Ziele des Militärs

Die ägyptische Jugend hat ihren »Pharao« gestürzt. Doch viele glauben, die Revolution sei ihnen inzwischen gestohlen worden.

»Damals«, sagt der Aktivist Said mit einem bitteren Unterton, »damals dachten wir, jetzt wird Ägypten das Paradies.«

Damals, das waren die ersten Wochen nach der Revolution, als von jedem Balkon die Nationalflagge wehte, Plakate an den Fenstern der »Jugend Ägyptens« dankten, an jeder Straßenecke die Menschen standen und diskutierten, ungläubig noch gegenüber ihrer neuen Freiheit. Die ersten Wochen nach der Revolution, Tage und Nächte voll Euphorie.

Zehn Monate ist es her, dass Präsident Hosni Mubarak zurücktrat. 30 Jahre lang hatte er Ägypten mit harter und gieriger Hand beherrscht, 18 Tage Demonstrationen und Straßenschlachten brachten ihn zu Fall. Der Tahrir-Platz in Kairo, Platz der Befreiung, wurde zum Symbol der Hoffnung einer ganzen Region, zum Symbol eines neu eröffneten Raumes politischer Aktion, der bis in den hintersten Winkel der Gesellschaft ausstrahlte. Die Revolution veränderte auf einen Schlag die Perspektive, das...

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