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Lieber mit Fußfessel

Timo Boll schlägt Dopingkontrollen über GPS-Ortung vor und stößt damit auf geteiltes Echo

  • Von Gerd Holzbach, SID
  • Lesedauer: 2 Min.

Deutsche Athleten lassen sich gerne wie Straftäter behandeln, wenn es um Bequemlichkeit geht. Viele Sportler nehmen den Vorschlag von Tischtennis-Europameister Timo Boll positiv auf, den Zeitaufwand bei der Bearbeitung des umstrittenen Dopingmeldesystems ADAMS mittels GPS-Ortung und einer Art elektronischen Fußfessel zu minimieren.

»Weil ich über ADAMS meinen Aufenthaltsort bekannt geben muss, weiß man ohnehin immer, wo man mich findet. Da macht GPS nicht den großen Unterschied«, sagte Kugelstoß-Weltmeister David Storl, und Biathlon-Olympiasieger Michael Greis hob hervor, dass ihn »Datenschutzaspekte nicht stören würden.« Auch Schwimmer Hendrik Feldwehr, WM-Dritter mit der Lagenstaffel, sagte: »Grundsätzlich kann ich mir das durchaus vorstellen.«

Bis zu drei Monate im Voraus müssen Athleten derzeit angeben, wo sie zu einem bestimmten Zeitpunkt täglich anzutreffen sind. Den Aufwand, der damit verbunden ist, wollen viele nicht mehr. Nach Meinung der Eisschnelllaufweltmeisterin Jenny Wolf schießt Boll aber über das Ziel hinaus: »Das geht mir zu weit. Ich wahre lieber meine Privatsphäre«, sagt die Olympiazweite über 500 Meter.

Zögerlich reagierten auch Juristen, Datenschützer, die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA und Sportfunktionäre auf den Vorschlag des 15-maligen Tischtennis-Europameisters, der gesagt hatte: »Ich würde viel lieber zum Beispiel einen GPS-Empfänger mitnehmen, der einfach automatisch mitteilt, wo man ist.«

Silke Kassner, als Athleten-Vertreterin im Deutschen Olympischen Sportbund im ständigen Kontakt mit der NADA, meinte, dass »man grundsätzlich erst prüfen müsste, was technisch möglich ist und im Falle der Dopingkontrollen Sinn ergibt«. GPS würde die Athleten lediglich befreien von der Meldung beim System, das ab dem 22. November nach einem Update ohnehin einfacher zu handhaben sein soll - »und das um den Preis der Totalüberwachung«. Der Überraschungsmoment bei Kontrollen wäre laut Kassner »vielleicht viel unangenehmer oder perverser, beispielsweise abends in der Disco«.

Die Datenschützer sind immerhin weit davon entfernt, den Vorschlag Bolls von vorn herein zu verteufeln. Bettina Gayk, Sprecherin des NRW-Datenschutzbeauftragten Ulrich Lepper, meinte: »Ausgehend von unserem Prinzip, dass so wenig Daten wie möglich preisgegeben werden sollten, hätte die Ortung den Vorteil, dass nur die kontrollierte Person aktenkundig wird. Über das Meldesystem müssten dagegen Daten über andere mitgeteilt werden, bei denen sich der Athlet zu verschiedenen Zeitpunkten befindet.«

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