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Fliegen mit Schallwellen

Österreichs Skispringer schwören auf eine Siegtherapie namens AVWF

Der Wintersport steht kurz vor dem Start, ab Mitte November läuft das Weltcupgeschehen auf vollen Touren. Die Österreicher werden, vom Langlauf abgesehen, in allen Disziplinen vorne mitmischen - und in einer vermutlich der Konkurrenz wieder mal davonfliegen. Denn die Skispringer von Cheftrainer Alexander Pointner sind seit drei Wintern das Maß aller Dinge. In der Vorsaison gewannen sie bei der WM in Oslo viermal Gold und zweimal Silber, Gesamtweltcup und Vierschanzentournee.

Seit vier Jahren arbeitet das ÖSV-Team mit der vom deutschen Lern- und Mentaltherapeuten Ulrich Conrady (Blomberg/Ostwestfalen-Lippe) entwickelten AVWF-Methode. Die »Audiovisuelle Wahrnehmungsförderung« beschreibt das Ingangsetzen biokinetischer Prozesse im Gehirn durch computermodulierte Musik und spezielle Farbfiltersysteme. Das wohl jedem TV-Zuschauer vertraute Bild von Österreichs Skispringern mit riesigen Kopfhörern findet darin seine Aufklärung.

Dabei war Conradys Methode eigentlich gar nicht für den Spitzensport gedacht, sie war im Grunde ein Nebenprodukt. Ende der 80er Jahre fing Conrady an, auf dem Gebiet zu forschen, als sein fünfjähriger Sohn das Sprechen einstellte und erkannt wurde, dass er Autist ist. Conrady konzentrierte seine Bemühungen unüblicherweise auf die rechte Gehirnhälfte und entwickelte in zehn Jahren AVWF. Keine Musiktherapie, sondern eine körperliche Anwendung. »Deshalb funktioniert das bei jedem und nicht nur bei dem, der daran glaubt.«

Durch die Methode werden freie Ressourcen geschaffen, die die Regeneration und die Prävention vor Verletzungen verbessert. Schallwellen in einem Musikstück werden so moduliert, dass sie über Nervenfasern im Mittelohr das autonome Nervensystem stimulieren und wieder in Balance bringen. Das Gehirn wird schneller und die Zusammenarbeit beider Hälften verbessert. Conrady: »Ein ausgeruhterer, konzentrierterer Athlet, der alle Umweltreize schneller und präziser verarbeitet, ist unser Ziel.« Per Zufall kam es zu einer Kooperation mit dem deutschen Handball-Nationalteam, das 2007 prompt Weltmeister wurde. Auch weitere - aktuelle wie ehemalige - AVWF-Klienten lesen sich wie ein Kapitel aus dem Who's Who des Sports: Magdalena Neuner, An-drea Henkel, Simone Hauswald (Biathlon), Markus Baur (Handball), Lilli Schwarzkopf (Leichtathletik), Elisabeth Görgl, Andrea Fenninger (Ski alpin - drei WM-Titel 2011 in Garmisch).

Offenbar reichten diese Meriten für den Deutschen Skiverband nicht aus, um Conrady an sich zu binden, die Österreicher nutzten die Chance. Inzwischen haben sie den Deutschen für weitere Jahre exklusiv an sich gebunden. Springer-Cheftrainer Alexander Pointner, der mit seiner Frau Angi in Innsbruck ein AVWF-Zentrum betreibt, ist darüber froh. Er schwört auf die Methode. Vor wenigen Tagen hielt er beim »Forum Nor- dicum« der nordischen Sportjournalisten in Begleitung von Gregor Schlierenzauer einen spannenden Vortrag darüber. Im Spitzensport ginge es um »immer schneller, weiter, höher«. Man müsse funktionieren und das führe zur Reizüberflutung bis hin zum Burnout.

Den Anforderungen könne man versuchen, mit noch mehr Arbeit zu entsprechen. Die Methode von Conrady aber ermöglicht Wege zum freien Reagieren. Dabei übernehme jeder selbst Verantwortung und erlebe Dinge, die Spaß machen. Der geschaffene Spielraum erlaube es in den vier Sekunden Anfahrt auf dem Bakken »schnellere, bessere, effektivere Entscheidungen zu treffen«. Das heiße, so Pointner: »Die Bedingungen kann ich nicht beeinflussen, meine Leistung aber sehr wohl.« Dazu gehöre eben auch, die Ergebnisorientierung aufzuheben. »Wenn man bei sich bleibt, die Dinge macht und das Konzept umsetzt, die man erlernt hat, ergibt sich das andere organisch von selbst.«

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