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Leeze, Lack und St. Lambertis Türmer

Münster ist Deutschlands Fahrradhauptstadt, hat aber auch sonst einiges zu bieten

  • Von Alexander Richter
  • Lesedauer: 4 Min.

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Der Türmer von Lamberti, Wolfram Schulze, im Dienst.
Der Türmer von Lamberti, Wolfram Schulze, im Dienst.

Münster, die schöne Westfälin, ist bekannt als Fahrradstadt, für viel Kultur und noch mehr Studenten, den Westfälischen Frieden und für viel plattes Land drum herum. Nur wenige Besucher aber kennen zwei andere Attraktionen - das Museum für Lackkunst und Wolfram Schulze, Türmer in Teilzeit auf St. Lamberti.

Ein Gullydeckel, der an den 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens erinnert.
Ein Gullydeckel, der an den 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens erinnert.

Über den alten Münsterwitz kann der 67-Jährige nur schmunzeln: Stell' Dir vor, es regnet und alle Glocken läuten - was heißt das? Richtig, es ist Sonntag in Münster! »Ja, ja«, lacht der Türmer, »beides passiert hier aber auch unter der Woche, was bei knapp 90 Kirchen ja auch kein Wunder ist«. Spricht's und tutet ins Horn. Das macht er täglich alle 30 Minuten von 21 bis 24 Uhr und kann sich dabei auf die Sicherung des Öffentlichen Dienstes verlassen - der Türmer in Münster bekleidet eine offizielle städtische Stelle. Eine wirkliche Funktion hat das Amt indes schon lange nicht mehr: Vor Feuer und Feinden warnen längst anderswo in der Stadt die »Kollegen Computer«. Dennoch ruft der Türmer allabendlich die Feuerwehr an, um fast immer zu vermelden: »N'abend: Alles ruhig!«

Der Türmer von St. Lamberti, einer von zweien, die bundesweit noch ins Horn blasen, will den Job so lange machen, wie's geht. Wolfram Schulze trägt Kojak-Look, ist schlank und rank, was nicht Wunder tut, muss er doch jeden Abend durchs irrsinnig enge Treppenhaus 300 Stufen rauf und wieder runter - er schafft das im Sauseschritt. Besuch in seiner kargen Türmerstube bekommt er fast nie: Touristen dürfen nicht rauf, zu gefährlich! Damenbesuch ist dem Türmer gar per Dienstanweisung verboten.

Gleiches gilt auch für das Ausschütten von Nachttöpfen über die Brüstung. Gäste der Stadt, die sich Kirche und Kirchturm am Prinzipalmarkt mit den drei Todeskäfigen der Wiedertäufer - eine religiöse Bewegung im 16. Jahrhundert, von der das erzkatholische Münster nicht wirklich begeistert war - anschauen wollen, brauchen also keine ungeliebte Ladung von oben (nur die Tauben halten sich nicht dran!) zu befürchten.

Acht Fuß- oder drei Radminuten von der guten Giebelhäuserstube der Stadt entfernt gibt das europaweit einzigartige Museum für Lackkunst - der Industrielack-Spezialist BASF hat hier viel Geld angelegt - einen Überblick über das kunstfertige Handwerk der weltweiten Lackmalerei, die hauptsächlich in Asien und Russland in Form von verzierten Schränken, Kisten und Dosen zu Hause ist. Das Museum residiert in einem barock-typischen Stadtpalais direkt an der grünen Münsteraner Bummel- und Radelpromenade und präsentiert auf zwei Etagen rund 600 Objekte aus seiner mehr als 2500 Stücke umfassenden Sammlung.

In der Fahrradhauptstadt Münster soll es etwa 400 000 Räder geben, was bedeutet: Jeder der rund 280 000 Münsteraner hat mehr als eine Leeze, wie das Rad auf Westfälisch-Platt genannt wird. 300 Kilometer Radwege gibt's allein im Stadtgebiet, dazu kommen eigene Parkhäuser. Die Radstation am Hauptbahnhof gilt bundesweit als die größte und bietet sogar eine Rad-Wohlfühl-Waschanlage.

50 000 Studenten prägen das städtische Leben, das sich abends sehr gern laut und lustig in der netten, kleinen Altstadt mit gemütlichen Uralt-Kneipen wie »Pinkus Müller« (Tipp: Altbierbowle probieren) abspielt oder auch im aufgemöbelten »In«-Hafen in der Nähe der Halle Münsterland. Der Aasee mitten in der City als Wasser- und Sonnenbühne im Sommer, mehrere außergewöhnliche Museen (u. a. Picasso-Grafiken) und alle zehn Jahre eine weltweit beachtete moderne Skulpturenshow - auch das ist das reisewerte Münster, das für seine kluge Stadtentwicklung immer wieder Preise einheimst, zuletzt 2010.

Münster vermarktet sich touristisch zusammen mit Osnabrück, der zweiten Friedensstadt von 1648, schließlich liegt der aufstrebende Airport Münster-Osnabrück genau in der Mitte. Osnabrück, niedersächsisches Südlicht, ringt mit Macht um Aufmerksamkeit und ist in vielerlei Hinsicht doch nur die kleine Schwester von Münster: Altstadt, Domstadt, Fahrradstadt, Studentenstadt. Dumm hier: die Bettensteuer, fein dagegen ein Bummel mit dem Nachtwächter. Tipp: Der Friedenssaal im Rathaus kann anders, als in Münster, kostenfrei und ohne offiziöses Trara besichtigt werden.

Münster Marketing, Klemensstraße 10, 48143 Münster, Tel.: (0251) 492-2710, Fax:-7743, E-Mail: tourismus@stadt-muenster.de, www.tourismus-muenster.de, www.museum-fuer-lackkunst.de

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