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Die »Kulturarbeit« der Moorsoldaten

Neue Gedenkstätte im einstigen KZ Esterwegen eröffnet

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Am Montag ist im ehemaligen Konzentrationslager Esterwegen im Emsland eine Gedenkstätte eröffnet worden - 66 Jahre nach der Befreiung von der faschistischen Diktatur

Es sind nicht mehr viele ehemalige »Moorsoldaten«, die sich aus Deutschland und einigen europäischen Ländern auf die Reise ins niedersächsische Esterwegen gemacht haben. Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der zur Eröffnung neben dem niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister angereist war, dankte den Überlebenden: »Niemand kann wieder gutmachen, was Sie erlitten haben. Wir empfinden tiefe Dankbarkeit dafür, dass Sie heute hier sind.«

Vor 75 Jahren, im Juli 1936, hatte der katholische Bischof von Osnabrück, Hermann Wilhelm Bernings, auf Einladung des Kommandeurs, SS-Standartenführer Schäfer, den Lagern einen Besuch abgestattet. Die »Kölnische Volkszeitung« wusste am 4. Juli zu berichten, gegenüber den von ihm »zu einem Glas Bier« eingeladenen Wachmännern habe er »seine große Befriedigung über die im Emsland durch das Dritte Reich geleistete Kulturarbeit« ausgedrückt. »Zum Schluss seiner Ansprache brachte er ein dreifaches Sieg Heil auf Führer und Vaterland aus.«

Die Anweisung zum Bau der Emslandlager kam am 5. April 1933 vom preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring, kaum dass das Regime die Macht übernommen hatte. Für jeweils 3000 bis 5000 politische Gegner sollten sie, geleitet von einer selbstständigen Kommandantur in Papenburg, an 15 Orten entlang der Ems bis zur holländischen Grenze zur Isolierung vor allem der Gegner des Faschismus errichtet werden, die in den Tagen nach dem Reichstagsbrand am 28. Februar im Rheinland und im Ruhrgebiet verhaftet worden waren. Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschaftern hatte der erste Schlag gegolten. Sie kamen in die ersten der drei in kürzester Zeit entstandenen Lager: Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum. Durch ihre Arbeit sollte, so hieß es offiziell, ein »mustergültiges Siedlungsgebiet« entstehen«. Von »Ödlandkultivierung« rechts und links der Ems wurde gesprochen.

Nach Berechnungen der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen waren in den Emslandlagern von 1933 bis 1945 insgesamt rund 80 000 KZ-Häftlinge und Strafgefangene sowie bis zu 180 000 Kriegsgefangene unter härtesten Bedingungen eingesperrt. Etwa 30 000 Menschen, die meisten von ihnen waren sowjetische Kriegsgefangene, kamen hier bei der »Kulturarbeit« ums Leben. Der Düsseldorfer Schauspieler und spätere Intendant des Deutschen Theaters in Ostberlin, Wolfgang Langhoff, hat das Leben der Häftlinge unter der Knute der SS in seinem Bericht »Die Moorsoldaten. 13 Monate Konzentrationslager« weltöffentlich gemacht. Noch heute zählt das in zahlreiche Sprachen übersetzte »Lied der Moorsoldaten« zu den eindrucksvollsten Zeugnissen des Widerstandes und der Solidarität der ständig vom Tod bedrohten Widerstandskämpfer.

Zu den prominentesten Häftlingen in Esterwegen gehörte von März 1934 bis Mai 1936 als Nr. 562 der Publizist Carl von Ossietzky, der unter dem Druck der Weltöffentlichkeit am 7. November 1936 als »nicht haftfähig« und »probeweise« aus der Haft entlassen wurde. Im Mai 1938 starb er an den Folgen der Lagerhaft, an Tuberkulose. Das Nobelpreiskomitee sprach ihm am 23. November rückwirkend den Friedensnobelpreis für 1935 zu, den er auf Befehl Hitlers nicht annehmen durfte.

In der Erinnerungskultur der Bundesrepublik spielten die Emslandlager lange Zeit, ähnlich wie Neuengamme im Norden, Dachau im Süden, von kleineren Folterstätten ganz zu schweigen, kaum eine Rolle. Jahrelange Bemühungen engagierter Bürger und einstiger »Moorsoldaten« haben nun dazu geführt, dass diese würdige Gedenkstätte entstanden ist. Eine Voraussetzung dafür war, dass die Bundeswehr 2001 das viele Jahre als Depot genutzte Gelände an den Landkreis übergab.

Heute erinnert im Eingangsbereich des neuen Besucherzentrums eine Ossietzky-Statue an den aufrechten Hitler-Gegner. In den ehemaligen Depothallen wird in einem Ausstellungsraum die Geschichte aller 15 Lager dokumentiert, die auf der am Eingang der Gedenkstätte errichteten Stahlwand genannt werden. Aus Papenburg wird das Dokumentations- und Informationszentrum, eine über viele Jahre von antifaschistisch motivierten und daher als »linkslastig« misstrauisch beäugten Bürgern unterhaltene Einrichtung, in die neue Gedenkstätte einziehen.

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