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Erweiterter Stundenplan

Menschenrechte oder Demokratieerziehung - UNESCO-Schulen bieten mehr als den üblichen Lehrstoff

Volker Hörold ist Bundeskoordinator der UNESCO-Projektschulen in Deutschland. Über den Weg zur Anerkennung als UNESCO-Schule, zu ihren Anliegen und Aufgaben sprach mit ihm für »nd« Antje Stiebitz.
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ND: Was bedeutet es, eine UNESCO-Projektschule zu sein?
Hörold: Für eine solche Schule bedeutet es erst einmal viel Arbeit, um überhaupt Mitglied in unserem Netzwerk zu werden. Der Aufnahmeprozess ist dreistufig: von der interessierten, über die mitarbeitende bis zur anerkannten UNESCO-Projektschule. Die Schulen, die sich für das mehrjährige Verfahren bewerben, müssen nachweisen, dass sie sich für die Bildungsziele der UNESCO einsetzen: Menschenrechtsbildung, Friedens- und Demokratieerziehung, Umweltbildung, interkulturelles und globales Lernen, UNESCO-Welterbeerziehung. Bildung für nachhaltige Entwicklung bildet den Rahmen für all diese Themen. Meist arbeiten die Schulen bereits während ihrer Suche nach einem Schulprofil an solchen Themen und möchten sich dann gerne vernetzen.

Wie viele UNESCO-Schulen gibt es insgesamt und wie viele solcher Schulen davon in Deutschland?
Das Netzwerk umfasst weltweit 9000 Schulen. In Deutschland gibt es 210 Schulen, die die zweite oder dritte Stufe erreicht haben.

Wie verläuft die Aufnahme?
Der erste Status, der informelle, bedeutet für die Schulen, dass sie noch nicht Mitglied im Netzwerk sind, aber hier und da an gemeinsamen Veranstaltungen teilnehmen. Eine interessierte Schule muss diese Veranstaltungen bereits besucht haben und stellt dann einen Antrag. Dem müssen die Schüler-, Lehrer- und Elternräte der Schule mehrheitlich zugestimmt haben. Das ist uns wichtig, denn ein solches Schulprojekt sollte nicht nur Sache eines einzelnen, besonders engagierten Lehrers sein, sondern der gesamten Schulgemeinde. Dann schreiben der UNESCO-Regionalkoordinator und der Ansprechpartner im Kultusministerium des jeweiligen Bundeslandes ein Gutachten über die Schule. Der Antrag geht an die UNESCO-Kommission und wir stellen eine Urkunde aus. Damit ist die Schule dann mitarbeitendes Mitglied im deutschen Netzwerk.

Und die dritte Stufe?
Der Prozess wiederholt sich: Mehrheitsbeschlüsse, Gutachten, der Antrag, in dem das Schulprogramm erläutert wird. Dieser Antrag muss allerdings in einer der UNESCO-Sprachen gestellt werden, auf Englisch oder Französisch. Das Ganze geht dann an die internationale Schulkoordination der UNESCO in Paris und diese stellt die Urkunde aus. Damit ist die Mitgliedschaft im internationalen Netzwerk erreicht. Für die Schulen ist das ein mehrere Jahre dauernder Prozess, den nicht alle Schulen auf sich nehmen wollen. Die Schulen, die anerkannte UNESCO-Projektschule geworden sind, haben einen hohen Qualitätsstandard erreicht.

Was für Pflichten und Vorteile bringt eine Mitgliedschaft im Netzwerk?
Ab der zweiten Stufe müssen die Schulen in Form eines Jahresberichts Rechenschaft darüber ablegen, welche UNESCO-relevanten Themen sie bearbeitet haben. Außerdem müssen sie sich an unseren regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen beteiligen. Wichtig ist, dass sie das Netzwerk nicht nur selbst nutzen, sondern auch etwas hineingeben, beispielsweise indem sie über ihre Erfahrungen berichten. Der Jahresbericht wird in unsere Datenbank eingespeist. Und wenn jemand beispielsweise Erfahrungswerte zum Thema Klöster braucht, dann gibt er das in die Suchmaske ein und gelangt auf diese Weise an die Schulen, die das Thema bereits bearbeitet haben.

Gibt es finanzielle Unterstützung?
Das Budget der UNESCO ist sehr klein, und das Geld ist für die sich entwickelnden Länder reserviert. Die Schulen suchen sich Fonds, die andere Institutionen oder Stiftungen anbieten. Wenn wir große Projekte durchführen, wenden wir uns an das Auswärtige Amt, da die UNESCO-Kommission eine Mittlerorganisation der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik ist.

Verzetteln sich die Schulen nicht in der Fülle der UNESCO-Themen?
Die Schulen müssen nicht alle Themen bearbeiten, sie konzentrieren sich auf einige. Ausschlaggebend ist, dass die Themen nicht nur an Projekttagen bearbeitet werden, sondern den Schulalltag prägen, im Unterricht behandelt werden und im Schulprogramm vorhanden sind.


Vom 25. Oktober bis 10. November tagt in Paris die 36. Generalkonferenz der UNESCO. Eine der Hauptsäulen der Tätigkeit der UNO-Spezialorganisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur ist es, Bildung für alle zu ermöglichen. Hierzulande sind vor allem die UNESCO-Projektschulen ein Begriff. »Zusammenleben lernen in einer pluralistischen Welt in kultureller Vielfalt«, lautet das übergeordnete Bildungsziel dieser Schulen. Auf dem Stundenplan stehen neben dem normalen Lehrstoff die Einhaltung der Menschenrechte, kulturelle und Umweltbildung und der gerechte Ausgleich zwischen Arm und Reich. Ob Grund- oder berufsbildende Schule, Gymnasium oder progressiver Schulversuch, staatliche Regelschule oder Privatschule - jeder Schultyp des deutschen Bildungssystems ist als UNESCO-Projektschule vertreten.

Was die UNESCO-Schulen leisten, ist Thema des 3. Teils der nd-Serie zur UNESCO-Generalkonferenz. Am nächsten Freitag erscheint der letzte Teil dieser nd-Serie zum Abschluss der Generalkonferenz.

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