Gerhard Klas 05.11.2011 / Wochennd

Schmutzwasser für Verdurstende

Das Mikrofinanz-Geschäft dient nicht der Armutsbekämpfung, sondern stürzt die Kreditnehmer tiefer ins Elend

Eigentlich sollten Mikrokredite den Armen helfen, eine »einkommensschaffende Tätigkeit« aufzubauen und so der Armut zu entkommen. Dafür erhielt Muhammad Yunus, der Gründer der Grameen Bank in Bangladesch, 2006 den Friedensnobelpreis. Er proklamiert ein »Grundrecht auf Kredit« und will mit Hilfe der Mikrokredite die »Armut ins Museum verbannen«. Die Realität sieht freilich anders aus.

Von unserem Autoren Gerhard Klas ist dieser Tage ein Buch zum Thema erschienen: »Die Mikrofinanz-Industrie. Die große Illusion oder das Geschäft mit der Armut« Verlag Assoziation A, 320 S., 19,80 €.

»Nur wenige aus unserem Dorf haben es tatsächlich geschafft, der Armut zu entfliehen«, so Sufia Begum, eine langjährige Schuldnerin der Grameen Bank. Sie kommt aus dem Distrikt Tangail in Bangladesch, wo die Mehrfachverschuldung von Kleinstkreditnehmerinnen schon in den 1990er Jahren zur Überschuldung führte. Sie ist 45 Jahre alt, Witwe, und hat vier Kinder groß gezogen. Nachdem sie jahrelang regelmäßig ihre Raten abbezahlt hatte, kam sie nach dem Tod ihres Mannes, der als Landarbeiter Geld verdiente, in Zahlungsschwierigkeiten. Sie ist nicht die Einzige. »Etwa drei Vierteln der Kreditnehmerinnen in unserem Dorf bringen die Mikrokredite überhaupt nichts«, erklärt Sufia Begum. Zusammen mit ihren Nachbarinnen hat sie Lieder gedichtet, die von den Mikrokrediten handeln. Der Text eines melancholischen Liedes variiert immer ein Thema: Von 100 sind es 10, die überleben. Die anderen sterben: Küken, Kinder - und Mikrokreditnehmerinnen. »Ich kann nicht verstehen, wie dafür jemand den Friedensnobelpreis bekommen kann«, sagt die Frau aus Bangladesch.

Warum endet dieser Text denn jetzt schon? Mittendrin? Ich möchte den Artikel gerne weiterlesen!

Um den ganzen Artikel zu lesen, benötigen Sie ein entsprechendes Abo. Wenn Sie schon eins haben, loggen Sie sich einfach ein. Wenn nicht, probieren Sie doch mal unser Digital-Mini-Abo: